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70. Jahrestag der Befreiung Leningrads: Gauck schreibt an Putin

27 Jan

70. Jahrestag Befreiung Leningrads Gauck Brief Putin

lk/dpa  |  Veröffentlicht: 27/01/2014 10:51 CET

BERLIN – Bundespräsident Joachim Gauck hat zum 70. Jahrestag der Befreiung Leningrads an Russlands Präsidenten Wladimir Putin geschrieben. „Ich kann nur mit tiefer Trauer und mit Scham an den Vernichtungskrieg Nazi-Deutschlands gegen die Sowjetunion denken“, schrieb Gauck in dem am Montag veröffentlichten Brief. Die mehr als zweijährige Belagerung Leningrads – des heutigen Sankt Petersburgs – sei Teil der „verbrecherischen Kriegsführung“ gewesen, „welche die nationalsozialistische Führung gerade im Kampf gegen die Sowjetunion ganz bewusst betrieb“.

Tiefe Wunden im deutsch-russischen Verhältnis

Deutschland sei sich seiner geschichtlichen Verantwortung für das Leid bewusst, das den Leningradern angetan worden sei, schrieb Gauck. Der Zweite Weltkrieg habe tiefe Wunden im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland hinterlassen. Deshalb sei jeder Schritt der deutsch-russischen Versöhnung besonders hoch einzuschätzen.

Gauck wird auch wegen seiner Vergangenheit als DDR-Bürger ein distanziertes Verhältnis zu Russland nachgesagt. Ein Staatsbesuch ist seit langem in der Planung, ein Termin steht aber noch nicht fest.

Übertragen von Quelle :

http://www.huffingtonpost.de/2014/01/27/70-jahrestag-befreiung-leningrads-gauck-brief-putin_n_4672230.html?utm_hp_ref=germany

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Wieder einmal soll das deutsche Volk den Rücken beugen.Das ewige Schuldvolk !!!!!Ich weiß nicht was schlimmer ist, das der Schuldbürger nicht mal langsam seinen Kopf erhebt und nach vorne blickt ? Oder das ein Landesverräter wie Gauck uns wieder die Vergangenheit um die Ohren haut ?

In diesem Sinne ….

Jetzt amtlich: Deutschland schuldlos am Weltkrieg

4 Dez

gefunden auf : http://astrologieklassisch.wordpress.com/2013/12/04/jetzt-amtlich-deutschland-schuldlos-am-weltkrieg/

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DIE SCHLAFWANDLER                                                                                                                                                      Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog

Von Martin Ebel

Ein Porträt des Schriftstellers Christopher Clark. Er trägt einen dunklen Anzug und eine rote Krawatte.

Christopher Clark´s „The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914“ erscheint jetzt auch auf Deutsch. (Picture Alliance / dpa / Arno Burgi)

Das Buch „Die Schlafwandler“ des Australiers Christopher Clark liegt jetzt auch auf Deutsch vor, hat hymnische Besprechungen geerntet, aber auch Widerspruch. Das Deutsche Kaiserreich, so Clark, hat nicht mehr zum Ausbruch des Weltkrieges beigetragen als die anderen vier Großmächte Frankreich, England, Russland und Österreich-Ungarn.

Der Historiker, nach Leopold von Rankes berühmter Anweisung, solle erforschen und beschreiben, „wie es eigentlich gewesen“sei. Kein Historiker wird heute bestreiten, genau das anzustreben. Und doch betrachten viele, unbewusst oder bewusst, das Gewesene  durch die Brille der eigenen Gegenwart, deuten oder verbiegen die Vergangenheit im Lichte aktueller Interessen. Ganz extrem so war es nach dem Ersten Weltkrieg, als die Schuld der Deutschen explizit im Versailler Vertrag festgehalten wurde und deutsche Historiker alles daran setzten, dies  zu widerlegen, während die Historiker der Alliierten das entgegengesetzte Ziel verfolgten. Später beherrschte eine Weile die These das Feld, alle Beteiligten seien in den Krieg „geschlittert“, bis sich in den 1960er-Jahren nach der sogenannten Fischer-Kontroverse auch in Deutschland die Position durchsetzte, Hauptverursacher sei der deutsche Militarismus  mit seinem Streben nach der Weltmacht gewesen.

Jetzt steht womöglich ein neuer Paradigmenwechsel an.

Das Buch „Die Schlafwandler“ des Australiers Christopher Clark, der in Cambridge lehrt, hat schon bei Erscheinen der Originalausgabe für Furore gesorgt, jetzt, kurz bevor sich der Kriegsausbruch zum 100. Mal jährt, liegt es auch auf  Deutsch vor, hat hymnische Besprechungen geerntet („Das Buch des Jahres“), aber auch Widerspruch. Denn wenn man wollte, könnte man daraus eine Relativierung der deutschen Kriegsschuld lesen: Das Deutsche Kaiserreich, so Clark, hat nicht mehr zum Ausbruch des Weltkrieges beigetragen als die anderen vier Großmächte Frankreich, England, Russland und Österreich-Ungarn.

Diese Lesart wäre keine falsche, aber eben eine verkürzte. Denn um Schuldfragen geht es Christopher Clark gerade nicht. Ihn interessiert, welche Kräfte beteiligt waren, ein Ereignis von nie da gewesener Zerstörungskraft zustande zu bringen, mit 20 Millionen Toten, ebenso viel Verwundeten und drei untergegangenen Imperien – und das so kein Beteiligter gewollt hatte. Dafür hat er nicht nur die vorhandene Forschungsliteratur ausgewertet, sondern auch ein schier unüberschaubares Quellenmaterial – ein, wie er betont, dennoch lückenhaftes und vielfach tendenziöses Quellenmaterial. Clark gelingt es, die     Jahre vor 1914 gleichsam multiperspektivisch in den Blick zu nehmen. Betrachtet man nämlich nur einen Player, ordnen sich alle Ereignisse nur in Bezug auf dessen Ziele, Interessen und Ängste. Erst die Gegenüberstellung von mindestens fünf Sichtweisen bringt den Betrachter der Wahrheit näher – auch wenn diese Wahrheit ungeheuer kompliziert ist.

„Julikrise ist das komplexeste Ereignis der heutigen Zeit“

Der multiperspektivische Zugang ist eine der großen Qualitäten dieses Buches, eine weitere die Fähigkeit, wie eine Kamera mal mit dem Weitwinkelobjektiv das Geschehen zu betrachten, mal ganz nah heranzuzoomen, in die Parlamentssäle und die Hinterzimmer der Macht, in die Intrigenstadel der Kabinette, wo Mehrheiten und  Entscheidungen nach manchmal recht unpolitischen Motiven zustande kamen. Je näher der Autor den Beteiligten kommt, desto detaillierter wird das Bild, aber auch desto verwirrender. Clark selbst vergleicht das Spiel der Großmächte mit einem Billardspiel, wo die Bahn jeder Kugel die Lage der anderen beeinflusst. Ein treffender und doch viel zu einfacher Vergleich: Denn hier ist jede Kugel „unrund“, keine Bahn berechenbar, da im Innern jeder Kugel antagonistische Kräfte miteinander ringen.

In jedem Staat gab es Kriegshetzer und Pazifisten im Machtzentrum, kämpften Militärs, Diplomaten, Parlamentarier, Minister und Monarchen um die richtige Politik. Viele Staaten hatten keine konsistente Strategie oder wechselten diese plötzlich. Dabei sandten sie missverständliche oder widersprüchliche Signale nach außen. Auch die öffentliche Meinung war ein Faktor in diesem Kräftespiel, die Massenpresse trat als Akteur erstmals entscheidend in Aktion.

„Die meisten Konflikte, welche die Welt im Laufe der letzten Jahrzehnte gesehen hat, sind nicht hervorgerufen worden durch fürstliche Ambitionen oder ministerielle Umtriebe, sondern durch leidenschaftliche Erregung der öffentlichen Meinung, die durch Presse und Parlament die Exekutive mit sich fortriss.“

Der deutsche Reichskanzler Bernhard von Bülow, der dies 1909 vor dem deutschen Parlament sagte, unterschlug dabei, dass die genannte Presse oft von der Regierung gefüttert, gelenkt und instrumentalisiert wurde – auch in den Ländern, wo sie mehr oder weniger frei war, war sie ein Instrument der Politik. Selbst Affären konnten die Weltpolitik beeinflussen; der österreichische Generalstabschef Conrad war auf zwanghafte Weise in eine verheiratete Frau verliebt, ein gewichtiges Motiv für seine Kriegstreiberei gegen Serbien:

„Nur als siegreicher Kriegsheld wäre er, so glaubte Conrad, imstande, die gesellschaftlichen Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den Skandal zu überstehen, der mit der Heirat einer prominenten, geschiedenen Frau verbunden war. In einem Brief an Gina fantasierte er von der Rückkehr von einem „Balkankrieg“, den Lorbeerkranz des Siegers auf dem Haupt, wie er alle Warnungen in den Wind schlägt und sie zu seiner Frau macht.“

Die Aufmerksamkeit der Franzosen wiederum war noch im Juli 1914, als es schon Spitz auf Knopf stand, viel stärker als vom drohenden Krieg  gefesselt vom Prozess gegen Madame Caillaux, die Frau des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten, die den Chefredakteur des „Figaro“erschossen hatte, weil dieser ihren Mann durch die Veröffentlichung von Liebesbriefen diskreditieren wollte. Kurz: Kein Detail ist zu gering, um nicht von Christopher Clark in seinem Buch „Die Schlafwandler“auf seine Bedeutung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges geprüft und letztlich für wichtig befunden zu werden.

So ist es auch mit der ungemein farbigen Galerie von Persönlichkeiten, bei deren Betrachtung man den Eindruck gewinnt, dass, wenn eine einzige gefehlt hätte, die Geschichte anders verlaufen wäre – insofern stellt Clarks Buch die Anwendung des „Schmetterlingseffekts“auf die Geschichtswissenschaft dar. Ein Unternehmen, das zu lähmender Langeweile führen könnte – wenn der Autor nicht ein so brillanter Disponent seines Materials und ein so glänzender Stilist wäre. Wer sich auf die fast 900 Seiten einlässt, der wird über Tage oder Wochen, je nach Lesetempo, in eine Story von ungeheurer Dramatik verwickelt. Natürlich weiss jeder Leser, wie die Geschichte ausgehen wird; aber spannend bleibt sie, weil in Clarks Darstellung bis zuletzt die Möglichkeit eines anderen, eines friedlichen Ausgangs erhalten bleibt. Und das ist kein literarischer Kunstgriff; noch in den letzten Tagen hätte sich dieser Krieg vermeiden lassen.

Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand

Die Wochen zwischen dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und dem Kriegsausbruch nehmen einen großen Teil der „Schlafwandler“ein, zu Recht, weil sich hier zuspitzte und radikalisierte, was in den Jahren zuvor angelegt war. Aber auch, weil eben auch jetzt noch eine Alternative zum großen Morden bestand. Es hätte nicht dazu kommen müssen.

Zwar war Europa durch zwei Bündnisse geteilt, die auf eine Konfrontation hinausliefen: Hier die Entente mit England und Frankreich sowie dem verbündeten Russland, dort der Dreibund Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Italien. Es gab aber zwischen England und Russland erheblich größere Interessenkonflikte als zwischen England und Deutschland. Die Aufrüstung der deutschen Flotte, die oft als ein Kriegsgrund genannt wird, war laut Clark nicht so wichtig; England konnte sich seiner bleibenden maritimen Übermacht sicher sein. Viel beunruhigender war für das Empire das aggressive Vorgehen der Russen in Persien und in China, Weltgegenden, die weit von Europa entfernt waren, die aber die Kolonialmächte, als ihre vitalen Interessen ansahen. England hätte also eine andere, an Deutschland angelehnte und gegen Russland gerichtete Außenpolitik betreiben können. Indes beschreibt Clark dezidiert, wie Deutschland mit seiner unablässig wachsenden Wirtschaft als gefährlicher Konkurrent auf dem Kontinent von einer Fraktion im Außenministerium regelrecht inszeniert wurde. Bei Kriegsausbruch hatte diese  Fraktion die Übermacht.

„Die britische Außenpolitik hatte sich – genau wie die amerikanische Außenpolitik des 20. Jahrhunderts – stets auf Szenarien der Bedrohung und Invasion gestützt. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Ängste vor einer französischen Invasion regelmäßig die politischen Eliten gelähmt; in den neunziger Jahren hatte Russland, dessen Kosakenhorden jeden Moment in Indien und Essex einmarschieren konnten, in der britischen politischen und öffentlichen Vorstellung Frankreich verdrängt. Jetzt war Deutschland an der Reihe.“

Die treibende Kraft dieser Politik war Edward Grey, von 1905 bis 1916 Außenminister des britischen Königreichs. Clark widmet ihm eines seiner hinreißenden Porträts, die, ohne zu menscheln, die Kabinettspolitik jener Jahre anschaulich machen.

Grey war ein großer Naturliebhaber

„Grey war ein Außenminister, der kaum etwas über die Welt außerhalb Großbritanniens wusste, niemals großes Interesse an Reisen gezeigt hatte, keine einzige Fremdsprache sprach und sich in Gesellschaft von Ausländern unwohl fühlte.  Als junger Mann hatte er kaum Anzeichen für Wissensdurst, politische Ambitionen oder Ehrgeiz gezeigt. Er vertrödelte seine Jahre am Balliol Kollegs in Oxford, wo er den größten Teil seiner Zeit darauf verwendete, Tennis-Champion zu werden, bevor er mit einer Drei in Jura sein Examen machte. Das Fach hatte er gewählt, weil es dem Vernehmen nach einfach war. Als Erwachsener pflegte er stets das Bild eines Mannes, für den Politik eine lästige Pflicht war, nicht eine Berufung. Grey war ein großer Naturliebhaber, Vogelbeobachter und Angler. Um die Jahrhundertwende war er bereits weithin bekannt als Autor eines zur Recht gefeierten Aufsatzes über das Angeln mit Fliegen. Sogar als Außenminister neigte er dazu, seinen Schreibtisch für einen Ausflug aufs Land zu verlassen, und mochte es überhaupt nicht, wenn er früher als absolut notwendig nach London gerufen wurde. Dennoch entwickelte Grey einen starken Machthunger und eine Bereitschaft, konspirative Methoden einzusetzen, um an die Macht zu gelangen und sie zu behalten. Verschwiegenheit und eine Vorliebe für diskrete Machenschaften hinter den Kulissen blieben ein Wahrzeichen seiner Arbeit als Außenminister. Er sorgte dafür, dass sich die britische Politik in erster Linie auf die „deutsche Gefahr“konzentrierte.“

Natürlich waren dann die Schüsse in Sarajevo am 28. Juni 1914 das entscheidende, kriegsauslösende Ereignis. Aber selbst sie waren vermeidbar; die serbische Regierung wusste, dass sich eine Gruppe von Attentätern über die Grenze nach Bosnien-Herzegowina aufgemacht hatte, sie hatte auch eine Warnung nach Wien geschickt, aber so vage, dass sie keine Reaktionen auslöste (wäre sie konkreter gewesen, hätte sich die Regierung als Mitwisser kompromittiert). Aber das Attentat war nur das letzte Element einer fatalen Folge von Ereignissen, Missverständnissen, Fehlern und aktiver Kriegstreiberei. Deshalb beginnt Christopher Clark seine „Schlafwandler“mit einem anderen Attentat: Am 11. Juni 1903 stürzte eine Gruppe Offiziere den unbeliebten serbischen König Alexander. Es war mehr als ein Putsch, es war ein Massaker. Der König und seine Königin hatten sich in einer Geheimkammer hinter dem Schlafzimmer versteckt, kamen aber, als der dazu gezwungene Adjutant Petrovic ihn rief, heraus, nachdem er sich des Ehrenworts der Offiziere versichert hatte.

„Der König erschien, vor Angst zitternd, die Brille auf der Nase und notdürftig mit dem roten Hemd bekleidet, in seinen Armen die Königin. Das Paar wurde in einem Kugelhagel aus nächster Nähe niedergeschossen. Petrovic, der einen versteckten Revolver in einem aussichtslosen Versuch zog, seinen Herrn zu schützen, wurde ebenfalls getötet. Es folgte eine Orgie sinnloser Gewalt. Die Leichen wurden, laut der späteren Aussage des traumatisierten italienischen Barbiers des Königs, dem man den Befehl erteilte, die Körper abzuholen und sie für das Begräbnis einzukleiden, mit Säbeln zerstochen, mit einem Bajonett aufgerissen, teilweise ausgenommen und mit einer Axt zerhackt, bis sie zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Der Leichnam der Königin wurde zum Geländer des Schlafzimmerfensters geschleppt und, so gut wie nackt und völlig blutverschmiert, in den Garten geworfen. “

Beinahe gab es schon 1913 Krieg

Unter der neuen Monarchie behielten die Attentäter ihr Netzwerk bei, die Regierung war zu schwach, ihre Aktivitäten zu unterbinden, und das Nebeneinander von offizieller Beschwichtigungspolitik und andauernden Provokationen durch Freischärler war ein Grund für die verschlechterten Beziehungen zu Österreich-Ungarn.  Wenn es überhaupt einen Bösewicht gibt, in Clarks Vorweltkriegsszenario, dann ist das Serbien. Dem Leser kommt manches aus unguter Erinnerung an die 1990er-Balkankriege bekannt vor: Das Großmachtstreben („wo ein Serbe lebt, ist Serbien“), die Missachtung anderer Ethnien bis hin zu Gräueln und Massakern in eroberten Gebieten, der Opfer- und Todeskult, aber auch die ständige Irreführung der Nachbarn. Serbien hatte 1912 mit Bulgarien Krieg gegen die Türkei geführt, 1913 dann mit Bulgarien um die Beute gestritten; dabei waren auch Teile Albaniens besetzt worden, das nach dem Willen der Großmächte ein unabhängiger Staat werden sollte. Weil die Serben ihre Besatzungstruppen nicht abzogen, wäre es beinahe schon 1913  zum Krieg gekommen, erst ein Ultimatum Österreichs zwang die Serben zum Einlenken.

Aus dieser Erfahrung – die Serben verstehen nur eindeutige Drohungen – resultiert auch das Ultimatum nach dem Attentat am 28. Juni 1914. Österreich verlangte, mit eigenen Beamten an der Untersuchung einer serbischen Beteiligung mitzuwirken (tatsächlich stammten die Waffen aus serbischen Staatsbeständen). Kurz überlegte Serbien, sich den österreichischen Forderungen zu beugen, wurde aber von seinem Verbündeten Russland  gedrängt, hart zu bleiben. Russlands eigenes Szenario sah nämlich einen Balkankrieg  vor, um seinem eigentlichen Ziel, die Meerengen am Bosporus zu kontrollieren, näherzukommen, ein Ziel, das im Frieden unerreichbar war.

Und hinter den Kulissen zogen die Franzosen die Fäden. Sie hatten das größte Interesse einer Revision der europäischen Landkarte: Sie wollten Elsass-Lothringen zurück, das sie 1870 verloren hatten. Das war aber nur möglich, wenn man Deutschland in einen Zweifrontenkrieg verwickelte. Dazu hatte Frankreich das Zarenreich infrastrukturell aufgerüstet: mit hohen Krediten und mit Eisenbahntrassen, die einen schnellen Truppentransport an die deutsche  Grenze ermöglichten. Im Balkan war ein „Zündmechanismus“, wie Clark es nennt, installiert, der dann allerdings ganz Europa zur Explosion brachte.   Österreich wollte nur gegen Serbien kämpfen, Russland nur gegen Österreich, Frankreich mit Russland gegen Deutschland – und mit England, das zwar mit Frankreich einen engen Bund geschlossen hatte, aber nur eingreifen würde, wenn Deutschland als Angreifer in Aktion trat (was dann auch geschah). So entstand aus Bündnissen ein Zwangssystem der Mobilmachung und Kriegserklärung, aus dem keiner mehr hinausfand, obwohl es bis zum Schluss möglich gewesen war und vielen Beteiligten auch möglich schien.

Autor erzählt lehrhafte Vorgeschichte

Lässt sich aus dieser Vorgeschichte, des Ersten Weltkriegs, die Christopher Clark in seinem Buch „Die Schlafwandler“erzählt, etwas lernen?  Ja – nämlich dass jedes Land gut fährt, jedem anderen seine legitimen Interessen zuzugestehen. Also im Grunde jene multiperspektivische Sicht zur Grundlage seines Handelns zu machen, die der Historiker Clark auf die Geschichte anwendet. Österreich-Ungarn etwa galt als todgeweihtes Reich, deshalb stand für die Alliierten gar nicht zur Debatte, dass es überhaupt ein Recht auf Genugtuung hatte. Ein Fehler meint Clark, bei dem das Habsburgerreich überhaupt viel besser wegkommt als im allgemeinen Bewusstsein. Es war wirtschaftlich im Aufschwung, institutionell auf dem Reformweg, und die vielen Völker lebten dort relativ gut, besser jedenfalls als die Minderheiten in Russland und viel besser, als es den Minderheiten in den nach 1918 gebildeten Nationalstaaten erging. Allerdings war es unstreitig ein verkrustetes, schwer manövrierbares Konstrukt mit teilweise absurden Erscheinungen. So schreibt Christopher Clark über die Sitzungen des cisleithanischen Parlaments, also des österreichischen Teils der Doppelmonarchie:

„Da es in Cisleithanien keine Amtssprache gab, gab es auch keine offizielle Sprache für die Parlamentssitzungen. Deutsch, Tschechisch, Polnisch, Ruthenisch, Kroatisch, Serbisch, Slowenisch, Italienisch, Rumänisch und Russisch waren allesamt zugelassen. Es wurden jedoch keine Dolmetscher zur Verfügung gestellt, und es gab keine Möglichkeit, den Inhalt der Reden, die nicht auf Deutsch gehalten wurden, aufzuzeichnen oder zu überwachen, sofern der fragliche Abgeordnete nicht von sich aus beschloss, dem Parlament eine übersetzte Fassung seiner Rede vorzulegen. Abgeordnete selbst aus den kleinsten Fraktionen konnten so unerwünschte Initiativen blockieren, indem sie lange Reden in einer Sprache hielten, die nur  eine Handvoll ihrer Kollegen verstanden. Ob sie tatsächlich auf die Punkte eingingen, die in dem aktuellen Antrag angesprochen wurden, oder einfach lange Gedichte in ihrer eigenen Nationalsprache vortrugen, ließ sich kaum überprüfen.“

Das absurde Theater zog vergnügungssüchtige Wiener und sogar Touristen an, und auch der junge Adolf Hitler saß öfter auf der Besuchergalerie und gab später an, hier seine Abneigung gegen den Parlamentarismus empfangen zu haben. Der Zweite Weltkrieg, den Hitler in gar nicht so ferner Zeit auslösen sollte, war ja nichts anderes als der Versuch, die Ergebnisse des Ersten zu revidieren. Schon deshalb ist die Frage, warum dieser Erste Weltkrieg ausbrach, von mehr als bloß historischem Interesse, und deshalb riskiert Clark auch immer wieder Ausblicke auf jüngere zeithistorische Ereignisse. Nicht zuletzt stellt er heraus, warum heutige Weltkrisen anders verlaufen. 1914 gab es keine funktionierenden internationalen Organisationen, weder UNO noch NATO oder G-20. Außerdem ist heute den Beteiligten eher bewusst, was auf dem Spiel steht. Deshalb ist der Kalte Krieg kalt geblieben, und deshalb hat sich auch die Finanzkrise halbwegs und vorübergehend beherrschen lassen. Die Beteiligten hatten, nach einem Wort des damaligen Finanzministers Steinbrück, „in den Abgrund“geblickt. Das war 1914 anders. Da schlossen die führenden Politiker und Militärs am Ende die Augen und marschierten los. Eben wie Schlafwandler.


WEITERFÜHRENDE INFORMATION

Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. DVA, München 2013. 896 S., 39.99 Euro  

Übertragen von Quelle : http://www.deutschlandfunk.de/die-schlafwandler-wie-europa-in-den-ersten-weltkrieg-zog.700.de.html?dram:article_id=270753

Video

Schuldkultur und Nationalmasochismus

3 Dez

gefunden auf : http://volksbetrugpunktnet.wordpress.com/2013/12/02/schuldkultur-und-nationalmasochismus/

Veröffentlicht am 23.02.2013

Schuldkultur und Nationalmasochismus

Hintergründe zur Schuldkultur:
In der Bundesrepublik Deutschland (zum Teil auch in anderen Verwaltungsgebieten und Staaten) haben wir es mit einem über die Jahre gewachsenen und in der Gegenwart stark ausgeprägten Phänomen einer neuen politischen und auch zivilgesellschaftlichen Kultur zu tun.
Diese Kultur, die sich in Deutschland seit etwa 20-30 Jahren zu einer Nationalkultur entwickeln konnte, fußte und fußt in der tiefen Überzeugung einiger einflussreicher Gruppen und Einzelpersonen in Deutschland, die die Geschichte Deutschlands und der ganzen deutschen Nation, in einem einseitigen, auf die vermeintliche Schuld der eigenen Vorfahren reduziert und danach ihr Verhalten direkt oder indirekt ausrichten.
Umgangssprachlich entwickelte sich aus dem Begriff der Schuldkutur der ,,Schuldkult”.
Der Schuldkult in der BRD bezog sich während seines schleichenden Entstehungsprozesses zunächst nahezu auf die Epoche des Nationalalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, wurde dann aber bis heute auch zunehmend auf Ereignisse der deutschen Geschichte vor 1933 und teils sogar nach 1945 ausgebaut.
Als ein wesentlicher Entwicklungsschub hin zu der Etablierung einer Schuldkultur war die Rede von Richard von Weizäcker zum 40-Jährigen Ende des Zweiten Weltkrieges (bzw. zumindest der Kapitunation der deutschen Streitkräfte) am 8. Mai 1985. In dieser Rede stellte er zum einen jede Schuld und Verantwortung der Sieger außer Frage und bürdete seinem eigenen Land gleichzeitig die fundamentale Alleinschuld an allem auf, was in der unkritischen Behauptung einer vermeintlichen grundsätzlichen, pauschalen Befreiung der Deutschen durch den Mai 1945 gipfelte. Eine Annahme die sich auf eines Stützte: Auf ungeteilte Schuldgläubigkeit.
Der unheilvolle Erfolg, bzw. Siegeszug der Schuldkultur stützt sich eben so wie bei der eigenen Geschichtsbetrachtung, wie auch bei den Themen EU und Multikulturalismus auf der schlichten aber effiktiven Tatsache, dass man Kritiker, Wissenschaftler mit gegenteiligen Argumenten nicht in den gesellschaftlichen Diskurs einbaut. Sie dürfen ihre zahlreichen fundierten Thesen und Argumente nicht in den großen Zeitungen abdrucken lassen, oder haben nicht die Möglichkeit in politischen ,,Talkshows” zu sprechen. Dadurch ergibt sich sich dauerhaft eine Manipulation des Volkes.
Von dieser Manipulation lebt letztendlich auch der Schuldkult.Der Bruch demokratischer Spielregeln.

Übertragen von Quelle : http://volksbetrugpunktnet.wordpress.com/2013/12/02/schuldkultur-und-nationalmasochismus/

Videoquelle : http://www.youtube.com/watch?v=PHxxr8nGyHs

Gepflanzte NS-Symbole Das Hakenkreuz im Wald

18 Nov

Der Kult um die legendäre Rätselmaschine

18 Nov

Enigmas spannende Geschichte

Montag, 18.11.2013, 10:14· von FOCUS-Online-Experte  (Kryptologe)

Das Steckerbrett einer Enigma: Um geheime Nachrichten zu übermitteln, brauchten Sender und Empfänger ein baugleiches Enigma-Modell. Sie mussten zudem beide dieselbe Kombination (Schlüssel) einstellen.

Bob Lord, CC BY-SA 3.0  Das Steckerbrett einer Enigma: Um geheime Nachrichten zu übermitteln, brauchten Sender und Empfänger ein baugleiches Enigma-Modell. Sie mussten zudem beide dieselbe Kombination (Schlüssel) einstellen.

Die Enigma, die Verschlüsselungsmaschine der Deutschen aus dem Zweiten Weltkrieg, übt eine große Faszination aus. Das liegt nicht zuletzt an ihrer spektakulären Geschichte.
Haben Sie gerade 100 000 Euro übrig? Falls ja, können Sie sich damit eine originale Enigma kaufen. Die Verschlüsselungsmaschine der Deutschen aus dem Zweiten Weltkrieg ist bei Sammlern und Museen derzeit gefragt wie nie. Selbst für gut gemachte Kopien werden inzwischen fünfstellige Summen verlangt. Wer vor etwa zehn Jahren in ein Enigma-Exemplar „investierte“, kann sich heute über etwa 400 Prozent Wertzuwachs freuen.Ein Grund für den Boom: Die Enigma – der Name ist griechisch und bedeutet „Rätsel“ – gehört zum Spannendsten was die Technikgeschichte zu bieten hat. Die Wurzeln des Geräts liegen im Ersten Weltkrieg, als die drahtlose Kommunikation ihren militärischen Durchbruch schaffte. Verschlüsselung war beim Funken Pflicht, doch die damals verwendeten Papier- und Bleistift-Verfahren versagten auf der ganzen Linie: Sie waren zu kompliziert und zu unsicher. Nach dem Krieg kamen daher Maschinen auf, die das Verschlüsseln übernahmen – einfach zu bedienen und deutlich sicherer als alles bis dahin Bekannte.

Die Enigma, erfunden von Arthur Scherbius, war eine von vielen derartigen Geräten, die Anfang der Zwanzigerjahre um die Gunst der Kunden buhlten. Sie sah aus wie eine Schreibmaschine. Die Verschlüsselungslogik war von einer Kombination (Schlüssel) abhängig, die der Bediener ähnlich wie an einem Kombinationsschloss einstellte. Der Empfänger einer verschlüsselten Nachricht benötigte zum Entschlüsseln eine baugleiche Maschine und die richtige Kombination.

Deutsche, Polen, Briten: Wettstreit um Enigma-Codes

Erst nach Scherbius Tod im Jahr 1929 fand die Enigma ihren ersten Großkunden: das deutsche Militär. Doch bereits 1932 konnten polnische Mathematiker die scheinbar so sicheren Enigma-Verschlüsselungen knacken. Als der Zweite Weltkrieg bevorstand und die Deutschen die Enigma immer intensiver nutzten, weihten die Polen die Briten ein. Diese wussten die Informationen zu nutzen. In Bletchley Park vor den Toren Londons stampften sie eine riesige Fabrik aus dem Boden, in der während des Kriegs bis zu 9 000 Mitarbeiter Enigma- und andere Codes knackten. Mit speziellen Dechiffrier-Maschinen (so genannten Turing-Bomben) gelang es den Briten, einen Großteil des deutschen Enigma-Funkverkehrs zu dechiffrieren.

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NSADie Enigma kam im Zweiten Weltkrieg zehntausendfach zum Einsatz. Die Briten konnten eine Enigma-Verschlüsselung oft in weniger als einer Stunde knacken.
Die Auswirkungen auf den Zweiten Weltkrieg waren enorm. Unter anderem lasen die Briten den deutschen U-Boot-Funkverkehr im Nordatlantik mit und konnten so überlebenswichtige Versorgungskonvois an den feindlichen Untersee-Booten vorbeilotsen. Die Deutschen bemerkten nichts von Bletchley Park und gingen den Alliierten immer wieder in die Falle. Der Zweite Weltkrieg hätte vermutlich ein bis zwei Jahre länger gedauert, wenn die Briten die Enigma nicht entschlüsselt hätten.

Enigma-Faszination: Sammler und Freizeit-Code-Knacker

Erst in den siebziger Jahren wurde öffentlich bekannt, welche Dramen sich im Krieg um die Enigma abgespielt hatten. Seitdem ist das Interesse an dieser Maschine ständig angestiegen. Sammler zahlen hohe Preise, obwohl das Angebot noch nicht einmal klein ist – Schätzungen gehen von weltweit etwa 1 000 Enigma-Exemplaren aus, die heute noch existieren. Ingenieure wie der Stuttgarter Klaus Kopacz stellen originalgetreue Nachbauten her, in denen Jahre lange Arbeit steckt. Computer-Experten, wie der Belgier Dirk Rijmenants, programmieren Enigma-Simulatoren, die mit dem Original kompatibel sind.

Andere, wie der Norweger Frode Weierud oder Michael Hörenberg aus dem bayerischen Ort Singen knacken Original-Funksprüche mit speziellen Computer-Programmen. Der ehemalige Lehrer Heinz Ulbricht schrieb eine Doktorarbeit über die genaue Funktionsweise unterschiedlicher Enigma-Varianten – als Achtzigjähriger. Sogar Hollywood hat die Enigma schon entdeckt: Der Film „Enigma“ mit Kate Winslet wurde ein Welterfolg. Zu Recht: Der Film ist nicht nur spannend, sondern bietet auch einen weitgehend authentischen Einblick in die Arbeit in Bletchley Park.

Klaus Schmeh zählt zu den weltweit führenden Experten für historische Verschlüsselungstechnik. Er betreibt den Blog „Klausis Krypto Kolumne“ und ist ein gefragter Redner. Seine Bücher „Nicht zu knacken“ (über die zehn größten ungelösten Verschlüsselungsrätsel) und „Versteckte Botschaften – Die faszinierende Geschichte der Steganografie“ sind Standardwerke. Für FOCUS Online schreibt er über sein Lieblingsthema.

Original von Hitlers Gestapo-Gesetz entdeckt

15 Nov

Der unterschriebene Text des Gesetzes, mit dem die Nazis 1933 ihre Geheimpolizei gründeten, war verschollen. Erst jetzt wurde es im Berliner Staatsarchiv gefunden – mit einem sensationellen Detail.Von Sven Felix Kellerhoff

Adolf Hitler (l.) und Hermann Göring am Abend ihrer „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933. Drei Monate später zeigten sie mit der Gründung des Geheimen Staatspolizei-Amts für Preußen, was sie vom Rechtsstaat hielten.

Wer Gesetze und gesetzmäßiges Handeln verachtet, der hat auch kein Gefühl für die korrekte Form von Gesetzgebungsverfahren. Adolf Hitler und Hermann Göring zum Beispiel empfanden, seit sie am 30. Januar 1933 als Reichskanzler und zunächst amtierender Innenminister des Landes Preußen in staatliche Machtpositionen gelangt waren, die Verpflichtung zu gesetzmäßigem Handelns als inakzeptable Einschränkung. Doch sie waren, bevor die Nationalsozialisten die ganze Macht über Deutschland erobert hatten, noch gezwungen, wenigstens formal den etablierten Verfahrensweisen zu folgen.

Ein Fund, der überraschenderweise im Aktenlager des Geheimen Preußischen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem gemacht wurde, belegt das jetzt eindrucksvoll. Rund ein Dreivierteljahrhundert war das Original des Einrichtungsgesetzes für das Geheime Staatspolizei-Amt Preußens vom 24. April 1933 verschollen gewesen. Die beiden Blätter, über die jetzt das aktuelle Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz berichtet, sind in der Tat erstaunlich. Denn sie enthalten ein Detail, das in der Veröffentlichung des Textes im preußischen Gesetzblatt weggefallen ist.

Auf dem nur vier Paragrafen umfassenden Gesetz prangt Adolf Hitlers Unterschrift – freilich durchgestrichen. Obwohl es sich um ein Gesetz des preußischen Staatsministeriums handelt, dem Ende April 1933 bereits Hermann Göring als Ministerpräsident vorstand, hatte die Kanzlei zur Verkündung des Gesetzes formal falsch auf den unteren Rand des zweiten Blattes geschrieben: „Das vorstehende, vom Preußischen Staatsministerium beschlossene Gesetz wird hiermit verkündet. Berlin, den 26. April 1933. Reichskanzler“.

Erst nach der Unterzeichnung fiel auf, dass gar nicht Hitler als Reichskanzler dieses Dokument zu verkünden hatte, sondern Göring als Ministerpräsident. „Korrekterweise hätte ein neues Gesetz ausgefertigt werden müssen“, erklärt Abteilungsleiter Paul Marcus vom Geheimen Preußischen Staatsarchiv: „Dass Hitlers Unterschrift dann schlicht durchgestrichen und im selben Dokument durch Görings Signatur ersetzt worden ist, steht für den in jeder Hinsicht bedenkenlosen Umgang der Nationalsozialisten mit Recht und Gesetz.“

 

 Freibrief für polizeiliche Willkür

Ohnehin war das Gestapa-Gesetz (die Abkürzung „Gestapo“ würde erst gängig, nachdem 1934 alle Staatspolizeidienststellen in den anderen Ländern unter Heinrich Himmlers Leitung zusammengefasst wurden) sicher bewusst so vage formuliert, dass es polizeilicher Willkür alle Möglichkeiten gab. „Zur Wahrnehmung von Aufgaben der politischen Polizei neben den oder anstelle der ordentlichen Polizeibehörden“ wurde das Amt gegründet, heißt es im ersten Paragrafen. Damit konnte sich das neue Gestapa in jedes beliebige Verfahren einschalten, solange Göring, in Personalunion Ministerpräsident und Innenminister Preußens das wollte.

Die „sachliche und örtliche Zuständigkeit“ sollte der „Minister des Inneren“ festlegen – auch damit war klar die Priorität des Gestapa gegenüber anderen preußischen Polizeibehörden festgelegt. Die galten im 1920 bis 1932 sozialdemokratisch regierten Preußen als republikanisch und rechtsstaatlich eingestellt, auch wenn nach dem Sturz des SPD-Ministerpräsidenten Otto Braun im „Preußen-Putsch“ am 20. Juli 1932 schon eine Säuberungsaktion viele überzeugte Demokraten aus den oberen Etagen der Polizeibehörden entfernt hatte.

Im Paragrafen 2 war festgelegt, dass alle Polizeibehörden dem neuen Gestapa Amtshilfe zu leisten hatten. Der dritte und letzte inhaltliche Paragrafen gab dem Innenminister alle Möglichkeiten, Vorschriften zur Durchführung des Gesetzes zu erlassen.

„Selbstständiger Zweig der Verwaltung“

Das war die typische Methode im nationalsozialistischen Deutschland: Allgemeine Rahmengesetze, nach der Selbstausschaltung des Reichstages mit dem Ermächtigungsgesetz von der Reichsregierung beschlossen und vom Reichskanzler verkündet, verschoben die eigentliche Festlegung der jeweiligen Regeln auf Verordnungen, die beinahe beliebig von der Verwaltung erlassen werden konnten. Damit war die grundsätzliche Voraussetzung, dass Gesetze bestimmt sein müssen, ausgehebelt.

Den Widerwillen Görings gegenüber irgendwelche konkreten gesetzlichen Regelungen zeigt auch ein zweites Dokument, dass im selben Magazinkonvolut wieder entdeckt worden ist. Es handelt sich um das Original des Gestapa-Gesetzes vom 30. November 1933. Es legte fest, dass die Geheimpolizei ein „selbstständiger Zweig der Verwaltung“ und direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt sei, der für die „laufende Wahrnehmung der Geschäfte“ einen Inspektor der Geheimen Staatspolizei ernannte.

Auch hier war die Zuständigkeit wieder extrem ungenau beschrieben: „Welche Geschäfte im Einzelnen auf die Geheime Staatspolizei übergehen, wird durch den Ministerpräsidenten als Chef der Geheimen Staatspolizei bestimmt.“

Machtkampf zwischen Göring und Himmler

Der Grund für dieses zweite Gesetz dürfte der im November eskalierende Konflikt um die politische Polizei zwischen Göring und Heinrich Himmler gewesen sein. Rudolf Diels, ehemaliger Leiter der politischen Polizei im Berliner Polizeipräsidium und seit Gründung des Gestapa dessen Chef, war von der SS unter Druck gesetzt worden. Göring entließ ihn auf Himmlers Druck hin, setzte sich dann jedoch bei Hitler noch einmal gegen diesen durch: Diels kehrte als Inspekteur des Gestapa zurück.

Mit der Konzentration der Befugnisse auf den preußischen Ministerpräsidenten wollte Göring vermutlich die Geheimpolizei an seine Person binden. Es war ein vergeblicher Versuch, Himmler einen wichtigen Teil der Polizei vorzuenthalten: Am 20. April 1934 übernahm der SS-Chef die Leitung des Gestapa. Fortan spielten Gesetze für die nationalsozialistischen Verfolgungsapparat gar keine Rolle mehr, nicht einmal mehr eine formale.

Der Aktenfund im Magazin des Geheimen Preußischen Staatsarchiv zeigt, wie wichtig die Aufbewahrung von Unterlagen und die Arbeit an und mit den Originalquellen ist, wie Paul Marcus sagt: „Sie ermöglichen immer wieder neue Erkenntnisse.“

Übertragen von Quelle : http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article121923405/Original-von-Hitlers-Gestapo-Gesetz-entdeckt.html

Kriegerdenkmal in Sedan zerfällt

11 Nov

Deutschland hat offenbar keine 100.000 Euro übrig, um ein deutsches Kriegsdenkmal im französischen Sedan (Foto) zu renovieren. Es ist unserem Staat egal. Dabei gab es noch zu Kaisers Zeiten den Sedanstag. Gleichzeitig spendieren wir Hunderte von Millionen Euro in alle Gegenden Europas und der Welt und kriegen dafür meist nichts außer einem feuchten Händedruck zurück. Hinter diesen zwei Phänomenen besteht ein ganz enger Zusammenhang.

Hintergrund der deutschen “Gleichgültigkeit” ist die ganz unterschiedliche Bedeutung des Ersten Weltkriegs für die beiden Länder. Die Erklärung dafür reicht über die Tatsache hinaus, dass der Erste Weltkrieg für Deutschland eben mit einer Niederlage endete. Der am Deutschen Historischen Institut in Paris arbeitende Historiker Arndt Weinrich erklärt: “Im Ersten Weltkrieg – so jedenfalls die vorherrschende Lesart – stellte sich Frankreich vereint und opferbereit den Herausforderungen. Diese Vorstellung hat sich in den letzten zehn bis 20 Jahren zum Ursprungsmythos des modernen Frankreichs entwickelt.”

In Frankreich, so erklärt der Historiker Nicolas Beaupré, etablierte sich sogleich ein “Dreieck des Gedenkens” aus Gefallenendenkmälern in allen Städten und Dörfern, aus zentralen Pilgerstätten auf den Schlachtfeldern und dem Grabmal des unbekannten Soldaten. Dazu kam der 11. November als nationaler Gedenktag. Anders im durch Niederlage und Revolution tief gespaltenen Deutschland, dem es nicht gelang, sich auf Orte und Daten des Gedenkens zu einigen.

Dazu komme, so Weinrich, dass in Frankreich die zunehmend “problematische Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg” als “Sinnressource” für die Gegenwart nun vom Ersten Weltkrieg abgelöst werde. In der Bundesrepublik dagegen hätten der Holocaust und die Schrecken des Dritten Reichs den Ersten Weltkrieg weitgehend aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängt.

Schreibt die WELT, und heute wird in Frankreich wie jedes Jahr der Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 als Nationalfeiertag begangen. Damals fing die ungerechte Zahlerei an! (PS: Dieses einst populäre Lied wurde vor langer Zeit noch bei der Bundeswehr gesungen!)

Übertragen von Quelle : http://www.pi-news.net/2013/11/kriegerdenkmal-in-sedan-zerfallt/

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