Arbeitsmarkt – „Es gibt keinen Fachkräftemangel“

20 Feb

 von Kristin Schmidt

Am Mittwoch erscheint „Mythos Fachkräftemangel“ von Martin Gaedt. Im Interview erklärt er, warum Unternehmen und Bewerber nicht zusammenfinden, was Deutschland von Kanada lernen kann und wie sich unbesetzte Stellen auf die Kanalisation auswirken

Younect-Geschäftsführer Martin Gaedt Quelle: Presse

Younect-Geschäftsführer und Buchautor Martin Gaedt kritisiert das Personalmarketing von vielen deutschen Firmen Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Gaedt, haben wir in Deutschland zu wenige Fachkräfte?

Gaedt: Nein. In Deutschland und auch in Europa gibt es genügend gut ausgebildete Fachkräfte.

Das heißt, der viel zitierte Fachkräftemangel ist reine Fiktion?

Ja. Es gibt keinen allgemeinen Fachkräftemangel. Die Schlagzeile „Fachkräftemangel“ steht seit 1984 in den Medien. Zwar ist es richtig, dass durch den demografischen Wandel weniger Fachkräfte aus Deutschland zur Verfügung stehen werden. Aber wirklich gute Mitarbeiter waren schon immer rar und werden es auch immer bleiben. Daran hat sich nichts geändert.

Warum dann das Gejammer von Unternehmen und Verbänden?

Die Bewerber rennen den Firmen nicht mehr die Türen ein – wie früher. Das schmerzt. Die gönnerhafte Gutsherrenart funktioniert nicht mehr. Die junge Generation ist selbstbewusster geworden. Sie weiß, was sie verlangen kann, sowohl finanziell als auch von der Unternehmenskultur her. Das Internet macht Gehaltsstrukturen, aber auch das Innenleben der Firmen transparenter.

Was hat das mit dem Ihrer Meinung nach gefühlten Fachkräftemangel zu tun?

Nun ja, Bewerber können in Mitarbeiter-Blogs oder Arbeitgeber-Bewertungsportalen lesen, was sie in den Unternehmen erwartet. In den Medien werden immer wieder Beispiele mit einer lobenswerten Unternehmenskultur vorgestellt. Das wirkt sich aus: Schlecker ist tot, dm geht es blendend. Die beliebten Arbeitgeber erhalten immer noch massenhaft Bewerbungen, die anderen nicht.

Jetzt hat der kleine Handwerksbetrieb aber nicht die gleichen Möglichkeiten wie ein Dax-Konzern oder ein weltweit tätiger Mittelständler, um auf sich aufmerksam zu machen. Haben die im Rennen um die Fachkräfte schon verloren?

Nein. Aber solche Klein- und Kleinstbetriebe müssten sich in Sachen Personalmarketing zusammenschließen. Dabei könnten die verschiedenen Verbände eine wichtige Rolle spielen. Sie könnten Personalgewinnung – analog zu Einkaufsgemeinschaften – in Kooperation organisieren. Stattdessen schalten die Innungen und Kammern teure Werbeanzeigen, um Jugendliche für einen Beruf zu begeistern. So funktioniert das heute nicht mehr.

Das heißt, im Moment wird die Mehrzahl der kleinen Betriebe nicht wahrgenommen?

Richtig. Und nicht nur die ganz kleinen, sondern auch viele Mittelständler. Es gibt in Deutschland etwa 3,6 Millionen unsichtbare Betriebe. Und die klagen über Fachkräftemangel.

Also, selbst schuld?

Genau.

Gibt es diese unsichtbaren Betriebe in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen?

Ja, es gibt auch in den Großstädten haufenweise unsichtbare Unternehmen. Im ländlichen Raum haben die Arbeitgeber aber noch ein anderes Problem.

Welches?

Studenten, die in Kleinstädten beziehungsweise in ländlichen Gegenden studiert haben, würden gerne bleiben. Denken aber, es gäbe dort keine Stellen für sie. Das ist meist falsch. Sie kennen die potenziellen Arbeitgeber nur nicht. Talente ziehen auf gut Glück in die Großstädte, Stellen auf dem Land bleiben unbesetzt.

Übertragen von Quelle :

http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/arbeitsmarkt-es-gibt-keinen-fachkraeftemangel/9463140.html

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Jeder von uns hört es mehrfach über den Tag verteilt aus den öffentlichen Medien und nun kommt ein junger Mann daher  und haut unseren Politiker tatsächlich ihre eigenen Lügen um die Ohren .Martin Gaedt ist Gründer und Geschäftsführer der Berliner Younect GmbH .Er analysiert den Arbeitsmarkt und die Methoden der Personalgewinnung in Deutschland. Seine Erkenntnisse fasst er in dem Buch „Mythos Fachkräftemangel: Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft“ zusammen. Es erschien am 19. Februar.

Wahrheit macht frei …..

In diesem Sinne

7 Antworten to “Arbeitsmarkt – „Es gibt keinen Fachkräftemangel“”

  1. soerens69 21. Februar 2014 um 18:42 #

    Danke für den guten Artikel! Steigende Umsatzprognosen, mehr Investitionen und zusätzliche Jobs – das Jahr 2014 verspricht ein gutes Jahr für den deutschen Mittelstand zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt die neuste Auflage des Ernst& Young Mittelstandsbarometers, für das halbjährlich 3.000 mittelständischen Unternehmen befragt werden. 55 Prozent der befragten Unternehmen rechnen demnach für das laufende Jahr mit steigenden Umsätzen, nur 7 Prozent befürchten einen Rückgang. Insgesamt gehen die Studienautoren von einer durchschnittlichen Umsatzsteigerung um 1,2 Prozent aus, vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 0,8 Prozent. Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/deutscher-mittelstand-sucht-fachkraefte/

  2. Milena Velba 21. Februar 2014 um 22:00 #

    May I write about this on my twitter feed?

  3. Johnb295 11. Juni 2014 um 20:37 #

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  4. Johna591 12. Juni 2014 um 21:05 #

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  5. TTA - Personal 4. September 2014 um 16:32 #

    Toller Artikel! Um dem demografisch bedingten Rückgang der Erwerbsbevölkerung entgegenzuwirken, sind mehrere Lösungsansätze denkbar: Der frühere Eintritt in das Erwerbsleben, der spätere Austritt aus der Erwerbsphase, eine Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit sowie der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften

Trackbacks/Pingbacks

  1. URL - 27. Juni 2014

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