Polizei vermutet Terrorakt – Raketen nahe US-Stützpunkt in Japan abgeschossen

29 Nov

Freitag, 29.11.2013, 07:37

Japanische Polizisten untersuchen ein Feld nach der US-Militärbasis Yokota, nachdem zwei Raketen abgeschossen worden sind

Japanische Polizisten untersuchen ein Feld nach der US-Militärbasis Yokota, nachdem zwei Raketen abgeschossen worden sind
 
 

Mitten im japanisch-chinesischem Inselstreit hat ein Vorfall bei Tokio für neue Spannungen gesorgt: Nahe eines US-Stützpunkts sind zwei Raketen abgefeuert worden. Die Polizei verdächtigt linksradikale Gruppen.

Zwei improvisierte Raketen sind nahe eines US-Stützpunkts bei der japanischen Hauptstadt Tokio abgefeuert worden. Der Vorfall habe sich am Donnerstagabend gegen 23.30 Uhr Ortszeit nahe der US-Militärbasis Yokota ereignet, sagte ein Polizeisprecher. Anwohner hätten die Polizei alarmiert, nachdem sie mehrere Explosionen gehört hatten. Vor Ort seien Stahlrohre, Kabel und Batterien gefunden worden. Bisher seien aber keine Schäden oder Opfer festgestellt worden. Auch die Raketen seien nicht gefunden worden.

Medienberichten zufolge waren die Rohre im Boden vergraben und wiesen in Richtung des Flugfelds von Yokota. Jiji Press berichtete, zwar gebe es bisher kein Bekennerschreiben, doch verdächtige die Polizei linksradikale Gruppierungen. Laut dem Fernsehsender NTV konzentrieren sich die Ermittlungen auf eine Gruppe, von der am Donnerstag ein Führungsmitglied festgenommen worden war. Vor vier Jahren hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben, nachdem die Polizei Verstecke derselben Gruppe durchsucht hatte.

Die USA haben fast 50.000 Soldaten mit ihren Familien in Japan stationiert. Die beiden Länder haben zwar ein Verteidigungsbündnis, doch ist die Präsenz der US-Soldaten zunehmend unpopulär. Besonders auf der südlichen Insel Okinawa, auf der der Großteil der Truppen stationiert ist, gibt es seit Jahren heftige Proteste. Grund sind unter anderem wiederholte Vergewaltigungen durch US-Soldaten. Gewaltsame Übergriffe auf die US-Truppen oder ihre Standorte sind aber selten.

Chinesische Medien fordern hartes Vorgehen

Der Vorfall ereignet sich zudem inmitten erhöhter Spannungen zwischen Japan und China, das jüngst im Streit um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer eine „Luftverteidigungszone“ in der Region ausrief. Peking erhebt seit Jahren Anspruch auf die von Tokio kontrollierte Inselgruppe, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt wird. Die chinesische Regierung entsendet immer wieder Kriegsschiffe in das Gebiet um die Inseln und provoziert damit ärgerliche Reaktionen in Tokio.

Japan kündigte derweil an, besonnen mit Chinas neu geschaffener Luftraumüberwachungszone umzugehen. Seine Regierung werde sich „ruhig und standhaft“ mit der Problematik auseinandersetzen, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe am Freitag laut Medienberichten bei einem Treffen mit Vertretern seiner Liberaldemokratischen Partei.

Chinesische Staatsmedien wiederum haben ein hartes Vorgehen gegen Tokio gefordert. „Wir sollten ohne Zögern umgehend Maßnahmen gegen Japan ergreifen, wenn es Chinas neu ausgerufene Luftverteidigungszone verletzt“, schrieb die Zeitung „Global Times“ am Freitag, die der Kommunistischen Partei nahesteht. „Wenn Tokio seine Flugzeuge in die Zone fliegt, werden wir gezwungen sein, unsere Flugzeuge in ihre Luftverteidigungszone zu fliegen.“ Sollte die aktuelle Entwicklung weitergehen, könnte es wie im Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion zu Spannungen in der Luft kommen. „Wir sind bereit, eine langwierige Konfrontation mit Japan einzugehen“, schrieb aber die Zeitung. Sie schreckte allerdings davor zurück, auch den USA zu drohen, die am Montag demonstrativ zwei B-52-Bomber durch die Luftverteidigungszone geschickt hatten. Die „Global Times“ schrieb, die Zone richte sich nicht gegen die USA, sondern ausschließlich gegen Japan.

Übertragen von Quelle : http://www.focus.de/politik/ausland/polizei-vermutet-terror-akt-raketen-nahe-us-stuetzpunkt-in-japan-abgeschossen_id_3441193.html

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