Feuerbestattungen immer beliebter – Bestatter setzen auf Produkte aus Totenasche

25 Nov

Samstag, 23.11.2013, 21:45

Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod verbrennen

Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod verbrennen

Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod verbrennen – Feuerbestattungen haben dem Begräbnis längst den Rang abgelaufen. Und die Totenasche eröffnet Bestattern ganz neue Möglichkeiten zum Geldverdienen. Etwa in Form von Schmuck, Bildern oder Bleistiften.

Vergänglicher Schmuck, Bleistifte aus Asche oder Amulette mit Omas Kuchenrezept: Früher trugen Angehörige nach dem Tod eines lieben Menschen als Zeichen ihrer Trauer meist nur schwarze Kleidung – heute gibt es dafür spezielle Angebote.

„Es gibt mittlerweile viele Produkte, die den Erinnerungsaspekt stärker mit der Persönlichkeit des Verstorbenen verknüpfen“, sagt Bestattungsmarkt-Experte Dominic Akyel vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. „Das sind zwar zurzeit noch Nischenprodukte, aber die Nachfrage danach steigt.“

Immer mehr Menschen lassen sich nach dem Tod verbrennen

Neben Bleistiften aus der Asche des Toten böten inzwischen auch Künstler an, daraus Porträts des Verstorbenen zu malen. „Produkte aus Totenasche gibt es allerdings erst, seit die Anzahl der Feuerbestattungen zugenommen hat“, erklärt Akyel.

Mittlerweile werden Tote ebenso häufig verbrannt wie begraben. Nach Einschätzung von Akyel dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis die Feuerbestattungen klar in der Überzahl sind.

Trend zu „mobilen Trauerorten“

Ein weiterer Grund sind ihm zufolge gesellschaftliche Veränderungen: „Die Menschen sind heutzutage deutlich mobiler als noch vor einigen Jahrzehnten. Deshalb gibt es in der deutschen Bestattungskultur einen klaren Trend hin zu flexiblen und mobilen Trauerorten.“

Erkannt hat das auch der Bestattungsunternehmer Michael Vollmer aus Titisee-Neustadt im Schwarzwald. Er bietet nach der Einäscherung des Leichnams gleich das passende „Haus im Himmel“. Hinterbliebene können dieses Holzhäuschen auf Wunsch individuell bemalen lassen und dann die Asche des Verstorbenen darin aufbewahren.

Eigentlich darf Totenasche nicht mit nach Hause genommen werden

In Deutschland ist es streng genommen zwar nicht zulässig, die Asche aus dem Krematorium zu Hause zu lagern – es besteht Bestattungszwang. Nach Angaben von Vollmer sind aber manche Krematorien bereit, einen kleinen Teil der Asche für die Hinterbliebenen zu entnehmen.

„Das ganze Bestattungsgewerbe verändert sich in Richtung Individualität“, erklärt Vollmer, der seit 35 Jahren in der Branche arbeitet. Seit mehr als vier Jahren hat er die Häuser im Angebot, wie er erzählt. Seitdem seien die Verkaufszahlen jährlich um 10 bis 15 Prozent gestiegen.

Spannung zwischen Wirtschaftlichkeit und Moral

Seine Produkte, die je nach Beschaffenheit schon mal mehrere hundert Euro kosten können, wollte er am Samstag auf der Messe „Lebenswende“ in Stuttgart zeigen. Das Branchentreffen befasst sich mit Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema Tod und Trauer.

Aber darf man beim Thema Tod überhaupt nach dem Geld fragen? „Im Bestattungsmarkt existiert eine Spannung zwischen wirtschaftlichem Handeln und moralischen Wertvorstellungen“, sagt Akyel. „Weil immer die Frage ,Wie viel ist mir der Tote wert?` mitschwingt, darf man beim Bestattungskauf nicht geizig sein. Deshalb werden Preise nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit verglichen wie in anderen Bereichen.“

„Kaum einer trägt heute noch Schwarz“

Der Gesamtumsatz der Branche hat nach Angaben des Fachmanns aber zugenommen. Zuletzt lagen die Erlöse bei 16 Milliarden Euro – Nischenprodukte wie Vollmers Häuser noch nicht mitgerechnet.

Ähnliche Beobachtungen zur Preisgestaltung hat auch die Geschäftsführerin von ConVela, Stefanie Oeft-Geffarth, gemacht. Sie bietet nach eigenen Angaben Produkte zur „Erinnerungskultur“ an – darunter Trauernadeln zum Anstecken und Amulette. „Es ist die moderne Interpretation des klassischen Trauerflors“, sagt sie. „Kaum einer trägt heute noch Schwarz.“ Im ersten Geschäftsjahr habe sie 5500 Trauernadeln verkauft, im zweiten Jahr sollen es 7000 werden.

Wunsch nach Individualität

„Am Anfang haben wir fünf Euro für die Trauernadel genommen und sie damit unter Wert verkauft“, berichtet Oeft-Geffarth. „Das haben uns die Kunden auch gespiegelt.“ Mit einem vermeintlichen Billigprodukt wollte scheinbar niemand um seine Liebsten trauern. Heute kostet die Nadel fünfmal so viel wie zu Beginn. Auch Diamantringe aus der Asche des Verstorbenen bietet ConVela an.

Bei den Amuletten mache sich indes der Wunsch nach Individualität bemerkbar, erzählt Oeft-Geffarth, deren Unternehmen in Halle (Sachsen-Anhalt) sitzt. Eine Kundin habe in eines etwa das Kuchenrezept ihrer verstorbenen Großmutter gravieren lassen – in deren eigener Handschrift.

Vergängliche Accessoires mit Haaren oder der Asche eines Fotos

Das bestätigt auch Goldschmiedin Ulrike Werkmeister aus Tübingen, die vergänglichen Trauerschmuck verkauft. Egal ob Ringe oder Perlenketten – alles zerfällt im Laufe der Zeit, je nachdem, wie oft es getragen wird. Auch ihre Kunden bestellten die vergänglichen Accessoires häufig mit individuell eingearbeitetem Material: „Das kann die Asche eines Fotos sein, aber auch Haare des Toten.“

Übertragen von Quelle : http://www.focus.de/panorama/welt/kaum-jemand-traegt-noch-schwarz-bestatter-setzen-auf-produkte-aus-totenasche_id_3427421.html

Eine Antwort to “Feuerbestattungen immer beliebter – Bestatter setzen auf Produkte aus Totenasche”

  1. bottes soldes cuir 9. Dezember 2013 um 10:40 #

    I am heading to conserve the URL and will absolutely check out yet again. Keep it up.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: