Drogenkonsum im Tierreich Wenn zugedröhnte Kängurus randalieren

20 Nov

Mittwoch, 20.11.2013, 07:09 · von FOCUS-Online-Experte 

Im australischen Bundesstaat Tasmanien schlagen sich Kängurus gerne den Bauch mit Mohnkapseln voll

Im australischen Bundesstaat Tasmanien schlagen sich Kängurus gerne den Bauch mit Mohnkapseln voll

Exzessiver Drogenkonsum im Tierreich ist keine Seltenheit. Kängurus randalieren nach dem Genuss von Opiaten, Braunbären schnüffeln Kerosin und die sonst so genügsamen Rentiere fressen überaus gerne bewusstseinserweiternde Pilze.

Mit Hilfe von Drogen der schnöden Realität zu entfliehen, ist eine Verhaltensweise, die ganz offensichtlich nicht nur bei Menschen verbreitet ist. Auch bei Tieren trifft man weltweit auf Junkies der unterschiedlichsten Couleur.

Kornkreise nach Känguru-Art

Auf dem 5. Kontinent, genauer gesagt im australischen Bundesstaat Tasmanien, sind zum Beispiel zahlreiche Kängurus dem Opiumkonsum verfallen. Eine Erkenntnis, die in erster Linie mit der Tatsache zusammenhängt, dass der australische Bundesstaat Tasmanien der weltweit größte Produzent von legal angebautem Schlafmohn für pharmazeutische Produkte ist. Will heißen: In Tasmanien gibt es riesige Schlafmohnfelder. Und die reifen Mohnkapseln, die eben Opiate, wie zum Beispiel Morphin und Codein enthalten, ziehen einige Kängurus offensichtlich geradezu magisch an. Die Beuteltiere brechen nämlich ständig in die umzäunten Mohnfelder ein, um sich anschließend den Bauch mit Mohnkapseln vollzuschlagen.

Ein Genuss mit ungeahnten Folgen: Die Kängurus sind nämlich nach dem Mohnkonsum derart high, dass sie oft wie verrückt im Kreis umherhüpfen und dabei mit ihren großen Füßen die Mohnfelder zertrampeln. Durch das Gehoppel unter Drogeneinfluss entstehen dann so eine Art „Kornkreise auf Känguru-Art“. Für die Schlafmohnproduzenten stellen die außer Rand und Band geratenen Kängurus ein schwerwiegendes Problem dar, denn mit ihren unkontrollierten Hüpforgien zerstören die großen Beutler oftmals einen erheblichen Teil der Ernte.

Rentiere lieben Magic Mushrooms

Auf der nördlichen Erdhalbkugel gehen tierische Drogenkonsumenten dagegen ganz andere Wege. Rentiere setzen zum Beispiel bereits seit vielen Jahrhunderten auf den Verzehr von „magic mushrooms“, genauer gesagt aufden Verzehr von Fliegenpilzen.

Deren Inhaltstoffe rufen nach dem Verzehr bekanntermaßen ähnliche Halluzinationen, wie zum Beispiel LSD hervor. Gerade im Winter sind Rentiere in Skandinavien offensichtlich so scharf auf einen ordentlichen Pilzrausch, dass sie in dieser Jahreszeit Fliegenpilze sogar gezielt unter der Schneedecke ausgraben. Die Wirkung des Pilzkonsums auf die Vierbeiner ist dabei stets die gleiche: Die Rentiere haben einen unsicheren Tritt, schwanken hin und her, und geben seltsame Geräusche von sich. Bei einigen Vertretern wurde auch eine Art permanentes „Headbanging“ festgestellt.

Braunbären als Kerosinschnüffler

Etliche tausend Kilometer weiter östlich, im auf der russischen Halbinsel Kamschatka gelegen Kronozkij – Naturreservat bestand bis vor kurzem ebenfalls ein tierisches Drogeneldorado. Dort hatten nämlich einige Braunbären herausgefunden, dass man sich durch gezielte Kerosinschnüffelei in einen äußerst angenehmen Trancezustand versetzen kann. Dummerweise hatten ausgerechnet die Wildhüter, die für den Schutz dieses riesigen Naturschutzgebiets verantwortlich sind, die Kerosinfässer, die sie zum Betanken ihrer Hubschrauber benötigt haben, unbeaufsichtigt in der Taiga umher stehen lassen. Und da sind die Petze offensichtlich auf den Geschmack gekommen und schnüffelten verzückt an den Fässern mit Flugbenzin, um sich in rauschartige Zustände zu versetzen.

Der Kerosinkonsum vermittelte den Drogenbären zunächst wohl das Gefühl einer Art angenehmer Schwerelosigkeit, wonach sich die Petze zunächst ganz friedlich eine Kuhle gruben, sich auf den Rücken legten und dann ganz dezent ihren Rausch ausschliefen. Da Kerosin allerdings im dringenden Verdacht steht, krebserregend zu sein und von der EU als „gesundheitsschädlich“ eingestuft wird, hat man jedoch mittlerweile die Kerosinfässer „bärensicher“ untergebracht.
Mario Ludwig ist einer der bekanntesten Tierbuchautoren Deutschlands.20 Bücher, in denen er sich unterhaltsam und humorvoll mit den Phänomenen der Natur auseinandersetzthat der promovierte Biologe bisher veröffentlicht. Mit seinen„Unglaublichen Geschichten aus dem Tierreich“ landete er in den deutschen Bestsellerlisten. Mario Ludwig gibt es übrigens auch zu hören: Wöchentlich stellt er in seiner eigenen Sendung „Das Tiergespräch“ im Deutschlandradio neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft vor – nur aufregend und außergewöhnlich sollten sie sein. Der begeisterte Bergsteiger wohnt zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Katzen in Karlsruhe.

Übertragen von Quelle : http://www.focus.de/wissen/mensch/gastkolumnen/ludwig/drogenkonsum-im-tierreich-wenn-zugedroehnte-kaengurus-randalieren_aid_1154858.html

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