REPORT Frust im Bunker

4 Nov

Montag, 21.10.2013, 00:00· von FOCUS-Korrespondent , Washington

Amerika, B-52, Dezimalstelle, Elite, Generalleutnant, ISO-Container, Luftfracht, Minot, Monotonie, Montana, North Dakota, Offizier, Pentagon, Pfusch, Sackgasse, Robert Stanley, Stützpunkt, Supermacht, Vorgesetzter, Wyoming

U.S. Air Force/Tech. Sgt. Bob WickleyRelikt des Kalten

Sie zählen zur Elite der Air Force: Doch die Hüter von Amerikas Atomwaffen trinken, pennen und pfuschen
Eine vier Tonnen schwere Stahlluke riegelt die Offiziere von der Außenwelt ab. 30 Meter tief unter der Erde, in einer High-Tech-Kapsel eng wie ein Frachtcontainer, wachen sie einsam über Amerikas Atomraketen. Dort warten sie auf einen Befehl, den sie wohl nie erhalten werden: Feuer frei zum Dritten Weltkrieg.Die Minot-Luftwaffenbasis in North Dakota ist einer von drei Stützpunkten, an denen die Supermacht ihr Nuklear-Arsenal aus 450 Minuteman-III-Langstreckenraketen stationiert hat. Wer hier Dienst tut, so rühmt sich die Air Force, zähle zur militärischen Elite, müsse „herausragende Tugenden“ und einen starken „Verteidigungswillen“ besitzen.

In Wirklichkeit herrschen in den Atom-Silos Monotonie und Öde. Pfusch macht sich breit. Routine-Prozeduren werden missachtet, Sicherheitsregeln verletzt. Mit-unter schlafen Soldaten im Dienst ein. Das berichten verschiedene interne Publikationen des Militärs. Bei einem Lufttransport über die USA vergaßen Mitarbeiter, sechs Nuklearsprengköpfe zu entschärfen. Der Flug der B-52 hätte in einer Katastrophe enden können. Generalleutnant Jay Folds, stellvertretender Kommandeur in Minot, wirft der Truppe „Moralverfall“ vor. Und die Soldaten klagen in einer unveröffentlichten Untersuchung der RAND Corporation über „schlechte Führung“, „Vorgesetzte, die nicht zuhören“ und „Karrieren, die in der Sackgasse enden“.

Auf der Malmstrom-Raketenbasis in Montana fielen Bunker-Soldaten dreimal bei Tests durch, in denen der Ernstfall simuliert wurde; zuletzt vor zwei Monaten. Alles Kleinigkeiten, versucht ihr Chef, Oberst Robert Stanley, gegenüber FOCUS zu beruhigen: „Es war, als wenn sie bei einer Matheprüfung fünf Seiten Rechenaufgaben richtig lösen und am Ende das Komma um eine Dezimalstelle falsch setzen.“ Im Pentagon dagegen spricht man von einem Versagen. 17 Soldaten wurden beurlaubt. Vorige Woche musste der für die US-Atomraketen verantwortliche Kommandeur, 2-Sterne-General Michael Carey, abtreten: Alkoholprobleme.

Experten wundert das alles nicht: „Der größte Feind der Silo-Soldaten sind nicht mehr die Russen, es ist die Langeweile“, meint Ex-Offizier Paul Noonan, der früher selbst im Bunker saß und heute Kongressberater ist. Noonan hielt sich bei seinen 24-Stunden-Schichten mit DVDs der Serie „Lost“ wach. Frust sei allgegenwärtig, meint er: „Während andere Air-Force-Soldaten in den Krieg fliegen, kannst du keine heroischen Taten vollbringen oder Orden verdienen, sondern nur auf Ablösung warten.“

Den Soldaten im anachronistischen Bunker-Einsatz bleibt die Hoffnung auf Barack Obama. Der Präsident hat erst kürzlich wieder die Abschaffung aller Nuklearwaffen gefordert.

Eine Antwort to “REPORT Frust im Bunker”

  1. neuesdeutschesreich 4. November 2013 um 20:22 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: