Sparer im Griff des „Trio Eurofernale“ Wie das Kartell aus Politik, EZB und Banken nach unseren Ersparnissen greift

2 Nov

Samstag, 02.11.2013, 09:26· von FOCUS-Online-Gastautor

EZB-Neubau und Bankenskyline von Frankfurt am Main

EZB-Neubau und Bankenskyline von Frankfurt am Main

Ein „Trio Eurofernale“ bläst zum Angriff auf die Ersparnisse. Die Politik der Eurorettung kommt jeden teuer, der etwas auf der hohen Kante hat. Warum es für die deutschen Sparer leider nur wenig Hoffnung gibt.
„Wer spart, braucht Humor“, so heißt es beim österreichischen Dichter Georg Kreisler. Angesichts von Minizinsen unterhalb der Inflationsrate, also negativer Realzinsen, ist Sparern aber kaum zum Lachen zumute. Das herrschende „Trio Eurofernale“ hat zumAngriff auf die Ersparnisseangesetzt, indem es sich kartellartig miteinander in der sogenannten Eurorettung verbunden hat.Kartelle sind verboten, weil sie Dritte schädigen. Das, was die Politik wettbewerbsrechtlich gegen Unternehmensmacht durchsetzt, lässt sie jedoch nicht gegen sich selbst gelten. Beim „Trio Eurofernale“ ist der gerupfte Dritte der Sparer. Die Interessenlagen der drei Akteure gestalten sich wie folgt:

Ziele der Regierungen:

Die Mehrheit der politischen Klasse Europas will die Eurozone retten, koste es was es wolle. Ein Auseinanderfallen wäre nämlich das unfreiwillige Eingeständnis, dass der Integrationsschritt zum Euro falsch erfolgte. Dem Ansehen der politischen Klasse würde ein Auseinanderbrechen der Eurozone massiv schaden, zumal die Einheitswährung oftmals gegen den Mehrheitswillen der eigenen Völker durchgedrückt wurde. Die europäische Integration insgesamt wäre gefährdet,nationalistische Kräfte könnten erstarken, so die Befürchtungen.

Ein Zerbrechen der Eurozone zöge Bankpleiten nach sich und diese wiederum Staatspleiten, weil zumindest manche Staaten bei der Rettung ihrer Banken überfordert wären. Regierungen der Empfängerländer der Euro-Transferunion erhoffen sich eine sanftere Anpassung als bei einer Rückkehr zur eigenen Währung.

Damit also möglichst viele Menschen möglichst lange den Euro und seine gegenwärtige Rettung nicht als fatale Fehlentscheidungen wahrnehmen, muss durch immer mehr staatliche Eingriffe (inklusive der EZB!) eine Scheinnormalität aufrechterhalten werden. Noch funktioniert das.
EZB, Finanzkrise, Lehman Brothers, Staatsanleihen

Gerald Mann
Ziele der Banken:

Viele Großbanken würden bei einem Zerbrechen der Eurozone pleitegehen, denn sie halten einen hohen Anteil an Staatsanleihen in ihren Bilanzen. Gingen Staaten Pleite oder schieden aus dem Euro aus, drohten diesen Banken drastische Verluste oder sie gingen gar selbst Bankrott. Sie haben folglich ein Interesse daran, dass Sparer und Steuerzahler für sie die Kohlen aus dem Feuer holen.Außerdem wissen die Banker, dass die Regierungen zur weiteren Finanzierung der unverändert steigenden Staatsschulden auf den Finanzsektor, also Banken und Versicherungen als Kapitalsammelstellen, angewiesen sind. Dadurch ergibt sich ein entsprechendes Erpressungspotenzial gegenüber der (Geld-Politik, also gegenüber Regierungen und der EZB. Die Banker können fest damit rechnen, dass die EZB und die Politik sie nicht hängenlassen, weil sie ansonsten selber fällig wären. Das Kartell hält sich gegenseitig in Schach.

EZB rettet (auch) sich selbst:Träten Staats- und Bankpleiten in größerem Umfang ein, wäre ein Zerfallen der Eurozone wahrscheinlich. Ohne Eurozone gäbe es auch keine EZB mehr. Kann ein ums Überleben Kämpfender wirklich unabhängig sein? Also liegt es nahe, dass die EZB zur Aufrechterhaltung ihrer Daseinsberechtigung durch großzügige Geldversorgung Staats- und Bankpleiten zu verhindern sucht. Das läuft aber mittel- und langfristig auf eine Gefährdung der Kaufkraft hinaus. Denn es besteht ein Zielkonflikt: Preisstabilität und die großzügige Geldversorgung zu Minizinsen sind auf Dauer nicht vereinbar.

Der EZB wird das eigene Hemd näher sein als der Rock der Sparer, die schon jetzt durchNiedrigzinsenreal an Vermögen verlieren („Finanzielle Repression“). Das Handelsblatt zitierte kürzlich einen „hochrangigsten“ europäischen Notenbanker, der aus nachvollziehbaren Gründen nicht namentlich genannt werden wollte, mit dem Satz: „Wo steht geschrieben, dass es ein Recht auf positive Realzinsen gibt?“ Damit sollten Sparer den letzten Hauch von Illusion verlieren!

Dieser geldpolitische Kurs wird erleichtert, weil in naher Zukunft Inflationsraten deutlich über zwei Prozent pro Jahr (der Messlatte der EZB) unwahrscheinlich bleiben. Bei einer Rezession können wie 2009 sogar vorübergehend deflationäre Tendenzen eintreten. Darüber hinaus scheint die EZB auch noch einen massiven Machtzuwachs zu erfahren, nämlich durch die Bankenaufsicht, die ihr übertragen werden soll. Bei entsprechender Ausgestaltung würde sogar ein Erpressungspotenzial gegenüber Regierungen entstehen, weil die EZB einem Land mit der Schließung einer großen Bank drohen könnte.

FazitAll diese Motive sprechen dafür, dass Sparern und Steuerzahlern der schwarze Peter zugeschoben wird. Bislang geschieht dies durchnegative Realzinsen. Doch letztlich ist mit einer noch deutlich spürbareren Enteignung zu rechnen – über Kaufkraftverlust, Vermögensabgaben oder Steuererhöhungen.

„Wer spart, braucht Humor“, sagt der Dichter. Den wünscht Ihnen – trotz allem – auch der Autor.

2 Antworten to “Sparer im Griff des „Trio Eurofernale“ Wie das Kartell aus Politik, EZB und Banken nach unseren Ersparnissen greift”

  1. neuesdeutschesreich 2. November 2013 um 13:42 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

  2. Runenkrieger11 2. November 2013 um 20:05 #

    Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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