Ernährung als Philosophie Frutarier: „Wer Kartoffeln isst, tötet Pflanzen“

1 Nov

Donnerstag, 31.10.2013, 07:59· von FOCUS-Online-Autorin 

Ernährung, Früchte, Frutarier, Obst, Veganer, Vegetarier

Frutarier verzichten weitestgehend auf Holzmöbel, Kleidung aus Wolle und auf tierische Produkte sowieso. Selbst Pflanzen sind nur erlaubt, wenn die Natur sie freiwillig hergibt.

Möbel aus Holz sind tabu, ebenso Kleidung aus Wolle und erst recht tierische Produkte. Frutarier konsumieren nur, was die Natur ihnen freiwillig gibt. Eine Ernährungsphilosophie, die viel Gegenwind bekommt.
Der isst nur Obst, das von selbst vom Baum fällt – so ein Spinner, sagen die einen. Wie kann der sich überhaupt gesund und ausgeglichen ernähren?, fragen die anderen. Das alles hat Bert Rutkowsky schon oft gehört. Denn er ernährt sich frutarisch – und gehört damit zu einer absoluten Minderheit in Deutschland.Die Zahl der vegan lebenden Menschen, die auf tierische Produkte komplett verzichten, liegt in Deutschland nach Schätzungen bei 800 000. „Wie viele davon frutarisch leben, ist allerdings schwer zu sagen“, sagt Stephanie Stragies vom VEBU (Vegetarierbund Deutschland). „Die Gruppe ist auf jeden Fall noch recht klein.“

Ein blutiges Stück Fleisch sieht er nicht gerne

Frutarier stehen sozusagen an der Spitze dervegetarischen Lebensweise. Sie essen ausschließlich pflanzliche Produkte, die die Natur ihrer Ansicht nach „freiwillig“ zum Verzehr hergibt. Das heißt: Produkte, deren Ernte die Stammpflanze nicht tötet. Alles andere ist für sie tabu.

„Leben und leben lassen“ ist auch das Motto von Bert Rutkowsky aus Berlin. Im Alter von zehn Jahren entschied er sich für die vegetarische Ernährung und somit gegen den Verzehr von Tieren. Rutkowsky reduzierte weiter auf vegane Kost, bis er sich vor 13 Jahren für den Frutarismus entschied.

Der Frutarismus ist für den 43-Jährigen mehr als eine Form der Ernährung: „Es ist eine Lebensphilosophie. Ich will versuchen so zu leben, dass dadurch kein anderes Lebewesen stirbt.“ Das schließt Tiere ebenso ein wie Pflanzen. Der Speiseplan eines Frutariers ist deshalb vollgepackt mit Früchten.

Frucht ist nicht gleich Obst
Morgens Kirschen, mittags Melonen, abends Nektarinen – so stellt sich wohl mancher Fleischliebhaber den Speiseplan eines Frutariers vor. Doch Frucht ist nicht gleich Obst, zumindest nicht ausschließlich. Auch Gemüsefrüchte fallen in diese Kategorie. Das kommt Bert Rutkowsky sehr gelegen, denn Obst isst er eher selten. „Vielleicht weniger als die meisten anderen Menschen. Das ist so süß und klebrig.“
Das darf ein Frutarier essen
-Obst aller Art
-Blüten und Blätter
-Gemüsefrüchte (Tomate, Gurke, Zucchini, Aubergine, Kürbis, Paprika, Avocado)
-Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Soja)
-Samen und Nüsse
-Getreide (Brot, Nudeln, Reis, Hirse, Mais, Seitan)
Getreide?, wundert sich der Skeptiker. „Ja“, sagt Bert Rutkowsky. Denn die Kornähren seien „schon abgestorben und trocken, bevor sie geerntet werden“. Von Kartoffeln, Rüben, Rote Beete, Knoblauch und Zwiebeln lassen Frutarier allerdings die Finger – von tierischen Produkten sowieso.

Doch die frutarische Lebensweise geht – zumindest bei Bert – über die Ernährung hinaus. Er vermeidet es, Möbel aus Holz zu kaufen – wenn, dann lieber gebraucht. Seine Kleidung, die weder aus Leder noch aus Wolle bestehen sollte, trägt er relativ lange. Alles im Sinne der Nachhaltigkeit.

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Ernährung als PhilosophieMediziner warnen vor Mangelernährung

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Mediziner warnen, dass die frutarische Ernährung nicht alle notwendigen Nährstoffe abdeckt. Der Vegetarierbund Deutschland empfiehlt deshalb die Einnahme von zusätzlichen Präparaten.

Die vegane und damit auch frutarische Ernährung stößt in der Medizin und Ernährungsberatung manchmal auf eineeher negative Resonanz. Der Vegetarierbund Deutschland warnt auf seiner Internetseite vor allem vor einemMangel an Vitamin-B12. Davon empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine tägliche Zufuhr von drei Mikrogramm.

B12bezieht der Mensch hauptsächlich aus Fisch und Fleisch. Zwar enthalten auch Lebensmittel wie Früchte dieses Vitamin, aber nicht in ausreichender Menge. Über die vegane Ernährung, zu der auch die frutarische gehört, lässt sich die notwendige Vitamin-B12-Zufuhr deshalb nicht abdecken. Das bestätigt auch eine Vegan-Studie des Instituts für Lebensmittelwissenschaft der Leibniz-Universität Hannover: Mit zunehmender Dauer der veganen Ernährung sank die Blutkonzentrationen an Vitamin B12bei den Probanden kontinuierlich.

Bert Rutkowsky lässt sich davon allerdings nicht verunsichern. Er trinkt oft Säfte, die mit dem Vitamin angereichert sind, „manchmal nehme ich auch ein B12-Vitaminpräparat. Das aber höchstens alle zwei Wochen.“ B12spielt im menschlichen Körper eine wichtige Rolle, vor allem bei der Zellteilung, der Blutbildung und der Funktion des Nervensystems.

„Ich habe meinen Körper nie vergiftet“

Mangelerscheinungen hat der Frutarier Rutkowsky nach eigenen Angaben keine. Im Gegenteil: „Ich fühle mich mit meinen 43 Jahren fit und gesund.“ Ob das ausschließlich seiner frutarischen Ernährung zu verdanken ist, wisse Rutkowsky nicht. Es liege wohl auch daran, dass er noch nie geraucht oder Drogen genommen und fast nie Alkohol getrunken hat, vermutet der Berliner. „Ich habe meinen Körper nicht vergiftet.“

Außerdem gelte für die frutarische Ernährung dasselbe wie für andere Ernährungsweisen auch: Sie mussausgewogen sein. „Aber ich ernähre mich ja nicht ausschließlich von Äpfeln. Ich höre einfach in meinen Körper hinein und esse das, worauf ich gerade Lust habe.“ Rutkowskys letzter Gesundheitscheck vor etwa zwei Jahren habe ihm zumindest bescheinigt, dass mit seinem Körper alles in Ordnung sei.

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Ernährung als PhilosophieViele Menschen sind skeptisch

Bert Rutkowsky lebt seit 13 Jahren frutarisch. Für ihn stellt diese Ernährungsform überhaupt keine Einschränkungen dar. Er fühlt sich fitter denn je.

Bert Rutkowsky lebt seit 13 Jahren frutarisch. Für ihn stellt diese Ernährungsform überhaupt keine Einschränkungen dar. Er fühlt sich fitter denn je.

Dennoch bleibt Skepsis gegenüber der frutarischen Ernährungsphilosophie. Können Frutarier denn in Restaurants essen? „Ja, in einigen veganen“, sagt Bert Rutkowsky. „Wenn der Koch kreativ ist bereitet er auch frutarische Gerichte zu.“ Und was essen Frutarier mittags auf der Arbeit? „Nichts aus der Kantine. Ich bringe mir immer selbst etwas mit. Abends koche ich dann selbst.“ Und wenn eine Einladung von Bekannten ansteht? „Kein Problem, die wissen ja Bescheid und nehmen Rücksicht.“
In seinen Worten klingt es fast so, als berge die frutarische Ernährung keinerlei Einschränkungen. Es liegt wohl an seiner Sicht der Dinge: Bert Rutkowsky will nachhaltig leben. Für ihn ist es deshalb einfach, genau das auch zu praktizieren.

Anders als viele denken

„Nicht alle verstehen diese Art zu leben“, sagt Rutkowsky. „Es ist eben anders als das, was die meisten Menschen gewohnt sind“, meint der Diplom-Ingenieur. Und darauf reagieren manche zunächst einmal mit Unverständnis oder Ablehnung. Seinem Vater hat er deshalb erst spät davon erzählt. Seine Mutter hat es nie erfahren. Doch Rutkowsky bleibt positiv: „Oft sind die Leute überrascht, wenn ich ihnen erzähle, was ich alles essen kann.“ Seine Kollegen freuen sich mittlerweile jedes Mal, wenn Rutkowsky einen seiner frutarischen Kuchen mit zur Arbeit bringt.

Andere Frutarier kennt Rutkowsky kaum. Er habe zwar von wenigen gehört, aber bisher kaum Kontakt zu ihnen gehabt. Diese kleine Gruppe von Menschen, die Ernährung mehr als Lebensphilosophie denn nur als Nahrungszufuhr praktizieren, kann dennoch ein prominentes Mitglied zu ihren Reihen zählen: Steve Jobs hat in den 70er-Jahren frutarisch gelebt. Dieser Zeit soll sein Unternehmen auch das nun weltbekannte Firmenlogo verdanken: Denn Steve Jobs soll unheimlich gerne Äpfel gegessen haben.

Nicht Fleisch, nicht Fisch: Vegetarisch Kochen

Übertragen von Quelle : http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/tid-34117/das-strenge-leben-eines-frutariers-ein-gefaellter-baum-macht-mich-traurig_aid_1130053.html

Eine Antwort to “Ernährung als Philosophie Frutarier: „Wer Kartoffeln isst, tötet Pflanzen“”

  1. neuesdeutschesreich 1. November 2013 um 19:26 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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