Deutschland soll nicht jammern: Wir brauchen Waffengleichheit mit den USA!

28 Okt

Spähaffäre um Merkel-Handy

Montag, 28.10.2013, 07:11· von FOCUS-Online-Experte  ( Medienunternehmer)

BKA, BND, Angela Merkel, NSA, NSA, Barack Obama, Spähaffäre, Spionage, USA, Verfassungsschutz, Wirtschaftsnation

Blick auf den Berliner Reichstag

Abhören unter Freunden? Kein Problem. In der internationalen Politik, das ist die Lehre dieser Tage, gibt es keine Freundschaften. Doch der eigentliche Skandal der NSA-Spähaffäre ist nicht, dass die Amerikaner es tun – sondern dass wir es nicht verhindern.
Darf ein Land seine Freunde bespitzeln? Darf die Großmacht USA, mit Deutschland eng verbündet,Hunderttausende Bundesbürger und ihre Kommunikation scannen, jasogar der Regierungschefin beim Telefonieren zuhören? Berechtigte Fragen, über die in diesen Tagen hitzig diskutiert wird. Aber kaum einer spricht darüber, warum wir uns wieder mit Weinerlichkeit und bösem Gucken begnügen wollen. Nicht die Frage, warum tun die Amis uns das an, ist entscheidend, sondern: warum können wir, warum können BKA, Verfassungsschutz und wie sie alle heißen, so etwas nicht verhindern?Die Antwort ist so banal wie erschreckend: die Bundesrepublik ist eine Weicheirepublik geworden. Bedingt verteidigungsfähig. Den gewaltigen technischen Möglichkeiten der USA, aber auch wohl anderer Mächte wie China und Russland, hat man offenbar nur wenig entgegenzusetzen. Vor gut zwei Jahren stellte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrichvoller Stolz das Cyber-Abwehrzentrum des Bundes vor. Zum Schutz der Regierungsbehörden einer der führenden Wirtschaftsnationen dieser Welt mit 80 Millionen Einwohnern arbeiten dort zehn Personen. Zehn. Und die Bundeswehr hat sogar eine Spezialeinheit für das „Neuland“ Internet gegründet, angegliedert beim Kommando Strategische Aufklärung oder wie das in Bundeswehrsprech heisst KdoStratAufkl. Reicht das alles aus?

Deutschland ist ein seltsames Land geworden

In der internationalen Politik, das ist die Lehre dieser Tage, gibt es keine Freundschaften. Es gibt gemeinsame Interessen, es gibt vielleicht auch manchmal gemeinsame Werte, aber die Vereinigten Staaten handeln in erster Linie so pragmatisch wie die meisten anderen Staaten dieser Welt. Präsident Obama, der lange von den Deutschen als eine Art Anti-Bush verehrt wurde, macht das, was die Amerikaner von ihm erwarten. Er lässt seine Behörden alles für die Sicherheit tun. Und wir Deutschen staunen darüber.

Geradezu hilflos sind die empörten Reaktionen aus der Politik. Unser Land und seine Repräsentanten sollten endlich wieder lernen, die eigenen Interessen entschlossen wahrzunehmen. Dabei müssen die deutschen Sicherheitsbehörden natürlich eng mit den Nachrichtendiensten der westlichen Verbündeten zusammenarbeiten. Die Herausforderungen durch den internationalen Terrorismus betreffen uns alle gemeinsam. Aber dass der Geheimdienst eines anderen Landes unsere Bundeskanzlerin überhaupt abhören kann, ist viel demütigender, als dass sie es tun. Fast so demütigend wie die Politiker-Appelle und demnächst stattfindenden Wallfahrten nach Washington, um dort inständig zu bitten, so etwas doch in Zukunft bitte, bitte nicht mehr zu tun….

Widerständler betrachten wir als Barbaren

Deutschland ist in den vielen Jahren des Friedens und der Völkerverständigung ein seltsames Land geworden. Wir sorgen uns darum, dass auch das informationelle Selbstbestimmungsrecht von Terrorverdächtigen und Mafiosi in deren privaten Räumen geachtet wird. Wir lassen auch mal einen Totschläger (vom Alexanderplatz) nach Hause gehen, wenn er seine Aussage gemacht und einen festen Wohnsitz hat. Das regelt die Strafprozessordnung so. Und wenn auf einem Gerichtsflur einige sehr schlecht gelaunte Zuwanderer Zeugen und Journalisten mit Gewalt bedrohen, dann schauen die daneben stehenden Justizwachtmeister schamvoll zur Seite. Bloß nicht überreagieren! Das ist in unserem Land der Guten und Edlen fast schon eine Art Staatsräson.

Nichts macht den Unterschied im Denken zwischen Deutschen und Amerikanern übrigens deutlicher, als die Debatte um den Besitz von Schusswaffen. Allein der Gedanke, dass jemand, der überfallen wird, ernsthaft vorhaben könnte, sich zu wehren, erscheint uns vollkommen abwegig. Wir geben Räubern, was sie wollen, machen keine Scherereien, hoffen, dass es nicht so schlimm wird und die Versicherung später alles ersetzt. Menschen, die ein Recht für sich proklamieren, selbst Widerstand zu leisten, betrachten wir als Barbaren.

Die USA sammeln die Daten, die sie haben wollen. Weltweit. Engländer, Russen, Chinesen, aber zweifellos auch Frankreich, Israel und andere machen das ebenso. Deutschland sollte sich darauf einstellen, versuchen Lausch- und Cyberangriffe zu verhindern, aber auch seine eigenen Interessen definieren. Und sich nicht scheuen, falls notwendig, eben auch die Daten zu sammeln, die es benötigt. Überall.
Über den Experten
Klaus Kelle (54) ist Kolumnist und Medienunternehmer. Der gelernte Journalist hat in 30 Jahren Berufstätigkeit für Medienhäuser wie Axel Springer, Gruner & Jahr und den norwegischen Schibsted Konzern gearbeitet. Heute schreibt er politische Kolumnen und Kommentare für Zeitungen (Rheinische Post) und Web-Blogs. Mehr Informationen unter kellecom.de
Übertragen von Quelle : http://www.focus.de/politik/gastkolumnen/kelle/spaehaffaere-um-merkel-handy-deutschland-soll-nicht-jammern-wir-brauchen-waffengleichheit-mit-den-usa_aid_1141057.html

3 Antworten to “Deutschland soll nicht jammern: Wir brauchen Waffengleichheit mit den USA!”

  1. urpils666 28. Oktober 2013 um 09:45 #

    Reblogged this on The whole Truth – Die ganze Wahrheit.

  2. haunebu7 28. Oktober 2013 um 10:12 #

    Hat dies auf Haunebu7's Blog rebloggt.

  3. Runenkrieger11 28. Oktober 2013 um 15:35 #

    Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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