Afghanistan-Abenteuer-Bundeswehr: »Gute Ernte« – was für ein Hohn!

7 Okt

bundeswehr-abzug-afghanistan

Zehn Jahre nach Beginn des Einsatzes in Kundus hat die Bundeswehr ihr Hochsicherheitscamp an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben.

Rückzug? Abzug? Nein, Strategieänderung.

»Auch wenn die Bundeswehr Kundus heute verlässt: Vergessen werden wir diesen Ort niemals«, erklärte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag beim feierlichen Appell. Für die Bevölkerung in der Region gilt das umgekehrt auch: Man wird die deutschen Soldaten – so oder so – in Erinnerung behalten.

Rückblick: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wollten die USA zurück-schlagen. Die Terrororganisation von Osama bin Laden, Al Qaida genannt, war als Urheber des Bösen ausgemacht. Sie hatte sich als Gast der in Afghanistan blutig regierenden Taliban eingerichtet. Mit westlicher Überheblichkeit gedachte Washington, den Aufrührern und ihren Gastgebern schon bald den Garaus zu bereiten.

Allenfalls als Assistenz rief man Verbündete herbei. Die daraus entstehende internationale Afghanistan-Mission ISAF blieb zunächst auf die Hauptstadt Kabul beschränkt. Nur für Kabul gab es ein UN- und ein Bundestagsmandat. Schrittweise gedachte man, die Sicherheits- und Aufbauarbeit auf das ganze Land auszudehnen. Beginnen wollte die NATO im ruhigen Norden, um sich Provinz für Provinz an die Hochburgen der Taliban im Süden heranzuarbeiten.

Wie einst die Römer errichtete man Außenposten, sogenannte Provincial Reconstruction Teams (PRT), deren Funktion nicht in erster Linie eine militärische war. Die PRT sollten die Entwicklung in den Regionen vorantreiben, Vertrauen schaffen, durch Beispiel Mitarbeit am Wohlstandsschaffen erzeugen. Aus dem Mittelalter in die Moderne, Demokratie nach westlichem Standard – die Illusionen flogen hoch.

Die Bundeswehr übernahm die Verantwortung für den ganzen Nordbereich. Am 25. Oktober 2003 trafen 27 deutsche Soldaten in Kundus ein, Ende Dezember 2004 übernahm man die Verantwortung für das dortige PRT.

Ursprünglich wollte die Bundeswehr ihr Lager nicht in Kundus errichten – warum sie es dennoch tat, ist nur gerüchteweise bekannt: Kundus ist die Heimat des damaligen afghanischen Verteidigungsministers Mohammed Fahim. Der Tadschike, einst Kommandant der Nordallianz und mächtiger Gegenspieler von Präsident Hamid Karsai, versprach sich von den Deutschen weitreichende Entwicklungshilfe und von der Bundeswehr zivilisierte Partnerschaft.

Nach wenigen Monaten, so fantasierten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und des Entwicklungshilfeministeriums, würde man aus dem PRT eine Hochschule, ein Gewerbegebiet oder einen internationalen Handelsplatz machen können. Und in der Tat, anfangs konnten die deutschen Soldaten noch in offenen Jeeps durch die Straßen fahren.

Diese – im Vergleich mit Standorten anderer NATO-Partner – komfortable Situation änderte sich rasch. Aus dem PRT Kundus wurde eine Igelstellung, die man nur noch in immer schwerer gepanzerten und bewaffneten Fahrzeugen verlassen konnte. Die Angst vor dem Einfallsreichtum der Aufständischen, zu denen beileibe nicht nur Taliban zählen, führte auch zu der verhängnisvollen Entscheidung des damaligen Obersten Georg Klein, der den Abwurf von Bomben auf zwei im Kundus-Fluss festgefahrene Tankwagen befahl. Über einhundert Menschen, vor allem Zivilisten aus umliegenden Dörfern, wurden so umgebracht.

Als Beispiel für die mehr als nur fragile Situation, die die Bundeswehr ihren nach-rückenden afghanischen Kameraden hinterlässt, mag der Distrikt Char Darrah stehen. Dort lieferten sich deutsche Soldaten die blutigsten Gefechte. Vergeblich. Passend zur Übergabezeremonie war es am Sonntagmorgen abermals zu Gefechten gekommen. Aufständische hatten zuvor den örtlichen Polizeichef getötet. Diese Taktik der gezielten Hinrichtung von Parteigängern des Kabuler Regimes hat in den vergangenen Monaten gerade in den nördlichen Regionen zugenommen.

De Maizières Ansprache endete mit dem Satz: »In diesem Sinne wünsche ich unseren afghanischen Partnern Mut, Kraft und auch Geduld, damit sie ihre schwierige Aufgabe gut meistern werden, damit die Ernte gut wird.«

Übertragen von Quelle : http://pravdatvcom.wordpress.com/2013/10/07/afghanistan-abenteuer-bundeswehr-gute-ernte-was-fur-ein-hohn/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: