Investmentbank regiert überall mit Milliardenschwerer Strippenzieher : Wie sich Goldman Sachs die Welt untertan macht

25 Sep

Dienstag, 24.09.2013, 18:58

Goldman-Sachs-Logo an der New Yorker Börse

Staatsfeind Nummer eins, Finanz-Krake, Darth Vader der Wall Street – keine US-Bank ist umstrittener als Goldman Sachs. Eine französische TV-Dokumentation wirft einen Blick hinter die Fassade des Wall-Street-Riesen. FOCUS Online hat reingeschaut.
Schon der Titel bringt es auf den Punkt: „Goldman Sachs – eine Bank lenkt die Welt“ heißt die Dokumentation der französischen Journalisten Jérome Fritel und Marc Roche (Hiergeht es zum Trailer). Die Autoren stellen die US-InvestmentbankGoldman Sachs als Krake dar, die ihre Tentakel um die ganze Welt spannt – und trotz ihrer Größe ein Mysterium ist (Warum für Anleger ein Investment trotzdem eine Überlegung wert sein kann, erfahren Siehier ).Mit vielen Interviews versuchen sich die Autoren der Bank zu nähern und hinter die glitzernde Fassade zu schauen. Rund um die Welt führten Fritel und Roche ihre Gespräche, trafen Goldman-Ehemalige, Ex-Wall Street-Banker, Politiker, Aufsichtsbehörden, Ökonomen und Aktionäre.

Ein weltweit einzigartiges Netz

Dabei entwerfen die Autoren das Bild einer Bank, die überall auf der Welt ihre Fäden zieht. Die Unterwanderung von Staat, Politik und Kontrollorganen gehöre zum Plan von Goldman, behauptet der Film: „Die Banker haben ein weltweit einzigartiges Netz geflochten. Es ist faszinierend, wie viele ehemalige Goldman-Leute weltweit an entscheidenden Stellen sitzen.“ Oder von dort zu Goldman Sachs kamen und ihre wertvollen Kontakte gleich mitbrachten.

Die Liste der prominenten Banker, Berater, Politiker und Co. ist lang. Ein Ausschnitt:

– Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

– Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank

– Henry „Hank“ Paulson, US-Finanzminister (2006-2009)

– Robert Zoellick, Präsident der Weltbank (2007-2012)

– Mario Monti, Premierminister von Italien (2011-2013)

– Romano Prodi, Premierminister von Italien (1996-1998, 2006-2008) und Präsident der europäischen Kommission (1999-2004)

– António Borges, Europadirektor des IWF (2010-2011) und Berater der portugiesischen Regierung

– Otmar Issing, Chefökonom der Europäischen Zentralbank, von Angela Merkel Krisenjahr 2008 zum Vorsitzenden der Expertengruppe „Neue Finanzarchitektur“ berufen.

9/11? „Weiterarbeiten!“

Es entsteht aber auch das Bild von einer Bank, die von Gier und absolutem Ehrgeiz getrieben ist: „Es reicht nicht das wir Erfolg haben, andere müssen scheitern, beschreibt William Cohan, ein ehemaliger Wall-Street-Banker, das Goldman-Credo.

Ein Beispiel ist das Gebärden der Goldman-Führungsriege am Tag des Terroranschlags auf dasWorld Trade Center. „Mein Abteilungsleiter Gary Cohn [heute Präsident bei Goldman Sachs, d. Red.] gab uns die Anweisung weiterzuarbeiten, egal was da gerade vorgegangen sei. Mit Sicherheit sei dabei eine Menge Geld zu machen. Das war seine erste Reaktion“, beschreibt Nomi Prins, früherer Managing Director, die Fixierung auf Gewinn, Ego und Boni bei Goldman Sachs. „Alles andere ist denen egal.“ Die Folge: Prins kündigte.
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Investmentbank regiert überall mit  „Arme, kleine Darlehensnehmer“
Der „Fabelhafte Fab“ wurde kurz nach der Finanzkrise zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. Foto Justin Lane
Der „Fabelhafte Fab“ wurde kurz nach der Finanzkrise zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. Foto Justin Lan
Die Moral und Integrität bleibe dabei auf der Strecke, so der Film. Um Geld zu verdienen sei die Bank sogar bereit, ihre Kunden zu verraten. „Wenn man seine Kunden nur noch als Opfer betrachtet und ihnen etwas verkauft, von dem man weiß, dass es sie ruinieren kann, dann ist eine Linie überschritten. Das ist nicht richtig“, sagt die frühere Goldman-Sachs-Bankerin in dem Film.

Keine Kunden, sondern Gegenparteien

Diese Aussage zielt auf einen der größten Skandale in der Geschichte des Instituts. Sein Name: „Abacus 07 AC-1“, ein hochkomplexes Finanzprodukt, das Goldman kurz vor Ausbruch der Finanzkrise auflegte. Pikant sind schon die E-Mails des jungen Goldman-Bankers Fabrice Tourre aus dieser Zeit: „Die armen kleinen Darlehensnehmer werden bald in die Knie gehen. Am Ende steht nur noch der fabulöse Fab“.

Was war der Abacus?

Bei Abacus-2007-AC1 handelte es sich um ein Wertpapier, bei dem Goldman Sachs gegen die eigenen Kunden spekulierte. Kurz umrissen: Goldman wählte hochriskante Häuserdarlehen aus und bündelte sie. Trotzdem erhielt die Bank ein „AAA“-Rating, eigentlich nur sicheren Investments vorbehalten. Die Kunden griffen sorglos zu, darunter die deutsche IKB. Als der US-Immobilienmarkt zusammenbrach, verloren die Käufer ein Vermögen.Goldman Sachs musste die Rekordstrafe von 500 Millionen Dollar zahlen. Ein Schuldbekenntnis blieb der Bank aber erspart.

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Investmentbank regiert überall mit   Goldman-Mann entscheidet über Lehman
Der Zusammenbruch der Lehman Brothers im September 2008 passierte zum Höhepunkt der Finanzkrise.
Der Zusammenbruch der Lehman Brothers im September 2008 passierte zum Höhepunkt der Finanzkrise
Dubios ist auch die Rolle, die Goldman Sachs beim Zusammenbruch vonLehman Brothersim Jahr 2008 spielte. Die Autoren des Films werfen ein kritisches Licht auf die Rolle des damaligenFinanzministers Hank Paulson. Sie unterstellen ihm, dass er Lehman aus alter Verbundenheit mit seinen Ex-Kollegen von Goldman Sachs nicht rettete. Immerhin war Lehman einer der härtesten Konkurrenten der Bank.Als Beleg für die These, dass es Paulson nicht um marktwirtschaftliche Prinzipien ging, wonach Eigentümer alleine für ihre Fehler verantwortlich sind, führen die Autoren die Rettung des Versicherers AIG an. Denn ein Konkurs des Versicherers hätte auch für GS heftige Turbulenzen bedeutet. Paulson selbst war es, der zu seinen Goldman-Zeiten AIG einen Kredit ausgestellt hatte.

Milliardenkosten für Steuerzahler

„Das hat die Steuerzahler Milliarden gekostet“, kommentiert der ehemalige Finanzregulierer William Black den Interessenkonflikt. Ethische Bedenken seitens Goldman gab es zu diesem Zeitpunkt übrigens längst nicht mehr. Doch „wegen solcher Verflechtungen wird Goldman Sachs angefeindet“, sagt Analyst Joshua Rosner.

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Goldmans Griechenland Goldgrube
Der Währungsdeal mit Goldman entpuppte sich für Griechenland als Finanzdesaster.
Der Währungsdeal mit Goldman entpuppte sich für Griechenland als Finanzdesaster.
Einflussnahme auf Regierungen, Politik und Kontrollorgane. Ethisch hoch fragwürdige Spekulations-Geschäfte zu Lasten der eigenen Klienten. Vernichten der Konkurrenz. Als „Darth Vader der Wall Street“ bezeichnen die Autoren des Films Goldman Sachs. Sie gehen jedoch einen Schritt weiter, gehen die Bank noch scharfzüngiger an: „Staatsfeind Nummer eins der europäischen Regierungen“ sei Goldman Sachs.Der Grund: Griechenland. Auch an am Ausbruch der Schuldenkrise soll die US-Bank nicht unschuldig gewesen sein. Der Vorwurf: Goldman Sachs half den Griechen ihre Staatsverschuldung zu schönen. Durch ein Währungs-Tauschgeschäft (Swap) wurde der griechische Schuldenstand um drei Milliarden Euro gedrückt. Genug, um einen Beitritt zur Euro-Zone zu legitimieren. Die Rechnung zahlen Griechenland und die Euro-Zone noch heute, während Goldman einen fetten 600 Millionen Gewinn einstrich.

Geschäfte florieren weiter

Die Autoren weisen allerdings auch daraufhin, dass den Prüfern der europäischen Statistik-Behörde Eurostat die geschönten Zahlen aus Griechenland jahrelang nicht auffielen. Der Journalist Nick Dunbar, der den Deal zwischen Goldman Sachs und Griechenland aufdeckte, sagt im Film: „Goldman sagte mir, Eurostat wusste von dem Deal.

Die Frage steht im Raum.“ Eurostat streitet das ab.

Den Geschäften von Goldman Sachs schaden diese Skandale nur wenig. 2012 lag der Gewinn bei 7,5 Milliarden Dollar, fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Eine Antwort to “Investmentbank regiert überall mit Milliardenschwerer Strippenzieher : Wie sich Goldman Sachs die Welt untertan macht”

  1. neuesdeutschesreich 25. September 2013 um 21:29 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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