Henkels London Frei von Britannien? Die Schotten wittern ihre Chance

21 Sep

England, Schottland, Unabhängigkeit

Die Schotten stimmen 2014 über ihre Unabhängigkeit ab

Keine Chance für Schottlands Unabhängigkeit? Von wegen. In einem Jahr stimmen die Schotten ab. Obwohl bisher alle Umfragen zu widersprechen scheinen, hat die Kampagne für Unabhängigkeit gute Chancen.Von Imke Henkel, FOCUS-Korrespondentin, Glasgow
Überlebt Großbritannien das kommende Jahr? Oder wird der Herbst 2014 mit einem unabhängigen Schottland beginnen – und einem dramatisch zusammengeschnurrten Rest-Königreich, bestehend aus England, Wales und Nordirland? Noch können sich die Verteidiger des unangetasteten Königreichs in Sicherheit wiegen: Am 18. September, also exakt ein Jahr vor dem Datum der Volksabstimmung über ein unabhängiges Schottland, sprachen sich 62 Prozent der Befragten gegen die Trennung aus. Aber das mag täuschen.

Denn gut vierzig Prozent der Schotten (sie allein dürfen abstimmen, der Rest der Briten muss tatenlos zuschauen) haben sich noch nicht entschieden. Am Vorabend des Ein-Jahres-Countdowns bis zum Referendums-Tag veranstalte deshalb die BBC eine Podiumsdiskussion mit dem Für- und dem Gegen-Lager. Ins Publikum lud der Sender unentschiedene Wähler und bat sie anschließend zur Probeabstimmung.

62 Prozent für Unabhängigkeit

Nachdem sie die Argumente der Ja- und der Nein-Seite angehört hatten, drehten die Probanden die bis dahin bekannten Umfrageergebnisse kurzerhand um: 62 Prozent von ihnen stimmten für die Unabhängigkeit. Eine der Neubekehrten erklärte ihre Entscheidung: Die Ja-Seite hätte einfach die besseren Redner gehabt.

Stan Blackley präsentiert ein warmes Lächeln. 24 Jahre lang warb er für Greenpeace und Friends of the Earth für einen besseren Umgang mit der Natur. Jetzt arbeitet der 43jährige an vier Tagen der Woche für die Unabhängigkeit Schottlands. „Die Regierung in Westminster“, sagt er, „war immer stur und unbeweglich, wenn es um Umweltschutz ging.“ Fortschritte gebe es erst, seitdem Schottland ein eigenes Parlament und damit Entscheidungsfreiheit wenigstens in in einigen Fragen bekommen habe. „Jetzt haben ein weit umfassenderes Verbot der Fuchsjagd als in England. Und das höchste Ziel für den Abbau von Kohlendioxid überhaupt, nämlich 42 Prozent bis 2050.“ Aber Regionalisierung allein reiche nicht: „Wir brauchen die Unabhängigkeit.“

„Regierung aus Westminster“ ist der Buhmann

„Westminster“, nicht „England“, ist das Schreckenswort der Unabhängigkeitskampagne. „Die Regierung in Westminster“ der Buhmann, nicht „der Engländer“.Die schottische Unabhängigkeitsbewegung ist nicht nationalistisch, argumentiert nicht mit der Rückbesinnung auf eigene Wurzeln, eigene Kultur und Identität. Sondern mit sozialer Ungerechtigkeit und politischer Vernachlässigung.

Moira Anderson fährt mehrmals die Woche mit dem Bus von Stirling nach Glasgow, um dort, ohne Bezahlung, im Büro von „Yes Scotland“ Fragen interessierter Bürger zu beantworten und T-Shirts, Tassen und Stifte mit dem Slogan der Bewegung zu verkaufen. „Kaum ein Land hat so tiefe soziale Ungleichheiten wie Großbritannien“, begründet die 65-Jährige pensionierte Beamtin ihr Engagement für die Unabhängigkeitszeit. „Die Menschen, die in Schottland leben und arbeiten, sollen endlich selbst über ihre Sozialpolitik entscheiden dürfen.“

„Wir wollen Schottland nicht isolieren“

Neben ihr sitzt Matthew Ball, 20-jähriger Student aus Aberdeen: „Wir sind keine Nationalisten“, sagt er. „Wir wollen auch Schottland nicht isolieren. Wir wollen Teil einer weiteren Völkerfamilie sein, wie andere kleine Länder in Nordeuropa auch.“ „Wir wollen ein besseres und faireres Schottland“, sagt John Watson, 34. Der gelernte Supermarkt-Manager ist derzeit arbeitslos. Und Roddy Gray ist freiberuflicher Musiklehrer für Schlagzeug und Gitarre und kennt die sozialen Probleme Schottlands aus erster Hand: „Ich arbeite mit Jugendlichen in den ärmsten Vierteln von Glasgow. Dort leben fast die Hälfte der Kinder unter der Armutsgrenze. Ich bin während der Thatcherjahre geboren worden. Als 1997 mit Tony Blair Labour an die Regierung kam, habe ich gedacht, das wäre das Ende der Ungerechtigkeiten. So kann man sich täuschen.“ „Yes Scotland“ sei zwar parteiübergreifen, sagt Stan Blackley, es gäbe sogar einige Unterstützer, die zugleich Mitglied der konservativen Partei seien. „Aber politisch stehen wir links, nahe den Sozialisten und den Grünen.“In London hat David Camerons Regierung soeben frohloickt, dass ihre Strategie des scharfen Sparens erste Frühte trage: die Wirtschaft beginnt langsam wieder zu wachsen. „Wir haben die Nerven behalten und Erfolg gehabt“, trumpft Camerons Finanzminister Osborne auf. Wenn die britischen Wähler im ganzen Land das auch so sehen und entsprechend die Umfrageergebnisse für Camerons Tories steigen, könnte das der schottischen Unabhängigkeitskampagne helfen. Denn seit Margaret Thatcher ist keine Partei in Schottland so verhasst wie die der eisernen Lady. Weg von den Tories könnte deshalb zum zugkräftigen Argument für die Teilung des Landes werden.

Wäre Schottland wirklich so reich?

Ob es den Schotten allein wirklich besser gehen wird, ist umstritten. Alex Salmond, Ministerpräsident der schottischen Regionalregierung und Chef der Schottischen Nationalpartei, rechnet gerne vor, wieviele Milliarden Schottland mehr für sich hätte, wenn es seine Ölreichtümer nicht mehr mit den Engländern teilen müsse und selbst über Steuern und Ausgaben entscheiden könnte. Salmonds Gegner dagegen warnen, ein unabhängiges Schottland müsse Milliarden draufzahlen. Viele Fragen sind zudem noch offen: Wer bezahlt die Schulden derRoyal Bank of Scotland, die bisher das verhasst Westmintserr schultert? Behält ein unabhängiges Schottland das Pfund und bleibt damit abhängig von Londons Währungspolitik? Und welches Recht hätte ein neuer schottischer Staat, Mitglied der EU zu werden?Die Ja-Kampagne jedoch gibt sich optimistisch. „Was wir auf der Straße erleben und wenn wir von Haustür zu Haustür gehen“, sagt der erfahrene Aktivist Stan Blackley, „zeigt, das unsere Kampagne allmählich Fahrt aufnimmt. Die Dynamik geht in unsere Richtung. Je mehr die Leute erfahren, je besser sie informiert werden, desto mehr kommen sie zu uns. Westminsters Sparpolitik treibt sie uns in die Arme.“ Der arbeitslose Supermarktmanager John Watson teilt seine Zuversicht: „Wir fangen ja gerade erst an zu kämpfen.“ Die anderen Schotten, die wollen, dass ihr Land Teil des Vereinten Königreichs bleibt, sollten sich nicht zu sicher fühlen.

 
 
_____________________________________________________________________________________________________
Ich hoffe für Schottland,das die Pläne zu einem Erfolg führen und sie es in ihre Unabhängigkeit schaffen.
In diesem Sinne …..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: