Die Dollar-Falle: Geldschwemme auf dem Weg nach Europa

20 Sep
20.09.2013

Wer sich dieser Tage neue Statistiken ansieht, traut seinen Augen kaum: Die USA kommen wieder nach Europa. Massiv. Zum ersten Mal nach Ausbruch der Finanzkrise wandert wieder viel Geld nach Europa – eine Blase? Auch Japan investiert wieder bei uns. Der Grund ist ein minimales Wirtschaftswachstum. Die Folgen können gigantisch werden.

Kapital strömt nach Europa. Dies könnte ein gutes Signal sein, wenn wir in normalen Zeiten leben würden. Das Wirtschaftswachstum ist auf 0,3 Prozent gestiegen – im zweiten Quartal. Davor lag das Wachstum bei -0,2 Prozent, also 0,5 Prozentpunkte niedriger. Dies feiern Ökonomen als Wiederauferstehung der europäischen Wirtschaft.

Die Wahrheit ist: Auch darin liegt ein Alarmzeichen. Üblicherweise wachsen große Volkswirtschaften wie die USA oder asiatische Märkte um vier Prozent, fünf Prozent oder eben bis zu zehn Prozent, wenn die Wirtschaft richtig intakt ist. Die kleinen Sprünge werden nun allerdings von US-Investoren und asiatischen Anlegern genutzt, um massiv Kapital nach Europa zu schaufeln. Das ist ein Alarmzeichen.

Konkret geht es um die Summe von 65 Milliarden US-Dollar, die US-Investoren in Aktien aus Europa investiert haben (von Januar bis Mai). Bei einem minimalen Wachstum wohlgemerkt. Kapital, so wissen es Anleger seit Jahrhunderten, ist scheu wie ein Reh. Deshalb ist dieser Fluchtimpuls erstaunlich. Auch aus Japan kommt aktuell viel Geld nach Europa. So hat der große Vermögensverwalter BlackRock bekanntgeben lassen, dass sich Japan zum ersten Mal seit den 90er-Jahren für Europa interessiert.

Vermögensverwalter und Fondsmanager sowie Investmentbanker freuen sich. Die Bankhäuser stellen bereits mehr Manager ein als in den vergangenen fünf Jahren.

Die Preise steigen wieder und Banken erstarken. Dabei räumen 

Analysten weiterhin unverhohlen ein, dass deren Bilanzen schwach sind. Erst 2014 oder 2015 sollen die Gewinne wieder deutlich steigen.

Dies gilt nicht nur für den Finanzsektor, sondern für große europäische Aktiengesellschaften insgesamt. Drei Prozent legten die 600 größten von Dow Jones gemessenen AGs in ihren Prognosen für dieses Jahr hin. »Normalerweise« sollten dies zehn Prozent oder mehr sein, so räumen Analysten ein. Demgegenüber stehen zwei Bedenken, die in diesem Zusammenhang einfach ausgeblendet werden. 

Wer dieser Tage die IAA (Internationale Automobilausstellung) sowie Berichte rund um die Autoshow verfolgt, weiß, dass es den Autoherstellern schlecht geht. Selbst neue Finanzierungsinstrumente müssen herhalten, um den Kunden endlich wieder Neuautos verkaufen zu können. So munkelt die Branche von verstärkten Leasing-Geschäften auch für Privatleute.

Das heißt übersetzt: Die Autos werden schlicht verliehen, nachdem der Gebrauchtwagenmarkt immer stärker wird.

Wenn die USA und Japan bei schwachen europäischen Märkten massiv Geld nach Europa pumpen, stellt sich die Frage, wie es um deren Wirtschaft bestellt ist, neu. Nachdem aus den USA gute Nachrichten zur Wirtschaftsentwicklung kamen, legen die unfälschbaren Marktdaten nahe: Das Misstrauen ist riesig.

Im Kern handelt es sich bei diesen Misstrauen-getriebenen Geldflüssen zudem um Geld, das aus dem Nichts erschaffen worden war. Die Geldmenge in den USA ist so groß wie nie zuvor, der Dollar schwach wie nie zuvor. Der Geldwert beträgt weniger als 95 Prozent dessen, was der Dollar Anfang der 70er Jahre repräsentierte.

Und damit schließt sich die Dollar-Falle: Papiergeld mit geringer Kaufkraft wird nach Europa gekarrt, weil es in anderen Erdteilen – Nordamerika, Asien, aber auch den Schwellenländern wie Brasilien – noch schlechter aussieht. Ohne jede übertriebene Angst: Die Weltwirtschaft hat die Krise lange nicht überstanden. Wir stehen am Anfang.

 

Übertragen von Quelle :  http://staseve.wordpress.com/2013/09/20/die-dollar-falle-geldschwemme-auf-dem-weg-nach-europa/

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