Fed macht Geld weiterhin billig

19 Sep

Überraschende Entscheidung der US-Notenbank

Viele hatten eine Kurswechsel der Fed erwartet, doch dann kam es anders: Die amerikanische Notenbank will ihre ultralockere Geldpolitik fortsetzen. Zu unsicher sei die Erholung der US-Wirtschaft. Kritiker warnen jedoch vor einer Inflation.

Von Martin Ganslmeier, NDR, ARD-Hörfunkstudio Washington

Zur Überraschung aller Experten setzt die amerikanische Notenbank ihre ultralockere Geldpolitik fort. Statt den Fuß allmählich vom Gas-Pedal zu nehmen, wird die Fed auch künftig die Konjunktur in den USA mit milliardenschweren Anleihekäufen unterstützen. Sie kauft auch weiterhin jeden Monat 85 Milliarden Dollar an Staatsanleihen und Immobilienpapieren auf und pumpt damit frisches Geld in die Märkte.

„Wir wollen sicherstellen, dass die Wirtschaft weiter genügend Unterstützung bekommt“, sagte Fed-Chef Ben Bernanke zur Begründung. „Vor allem wollen wir Anspannungen vermeiden, bis wir sicher sein können, dass die Wirtschaft wirklich wächst.“ Die wirtschaftlichen Daten der vergangenen Monate seien nicht robust genug, um jetzt schon eine Wende in der Geldpolitik einzuleiten, sagte Bernanke. Zumal die Ausgabenkürzungen im amerikanischen Staatshaushalt für zusätzliche Verunsicherung sorgen. „Im Lichte dieser Unsicherheitsfaktoren hat die Fed entschieden, vor einem Kurswechsel mehr Beweise für eine nachhaltige Wirtschaftserholung abzuwarten“, so Bernanke.

Die Konjunktur nicht abbremsen

Auch am historisch niedrigen Zinsniveau von knapp über null Prozent will die amerikanische Notenbank mittelfristig festhalten, um die Konjunktur nicht abzubremsen. Die Mehrheit der Notenbank-Mitglieder rechnet mit höheren Zinsen erst im Laufe des Jahres 2015. „Es könnte sein, dass die erste Leitzins-Erhöhung erst dann erfolgt, wenn die Arbeitslosenquote deutlich unter sechseinhalb Prozent gesunken ist“, erklärt Bernanke. Derzeit liegt sie bei 7,3 Prozent.

US-Notenbankchef Ben Bernanke in Washington

US-Notenbankchef Ben Bernanke: „Vor allem wollen wir Anspannungen vermeiden.“

Eine kräftigere Aufwärtsentwicklung der US-Wirtschaft sieht die amerikanische Notenbank erst ab 2015. Den Wirtschaftsausblick für dieses und das kommende Jahr korrigierte die Fed leicht nach unten. Für dieses Jahr rechnet sie nur noch mit einem Wachstum zwischen 2,0 und 2,3 Prozent; für das kommende Jahr zwischen 2,9 und 3,1 Prozent. Erst 2016 könnte das Wachstum zwischen 2,5 und 3,3 Prozent betragen. Die Arbeitslosigkeit werde weiter langsam, aber kontinuierlich sinken. Die Inflation bleibe unter 2 Prozent.

An der Wall Street brachen die Börsianer in Jubel aus

Auf die überraschenden Nachrichten aus Washington reagierte die New Yorker Börse wie ein Drogensüchtiger, der mehr Stoff bekommt. Innerhalb einer halben Stunde legte der Dow Jones-Index um mehr als 100 Punkte zu. Und als die Schlussglocke an der Wall Street ertönte, brach Jubel unter den Börsianern aus. Der Dow schloss mit einem Plus von 147 Punkten und erreichte den neuen Rekordwert von 15.676 Punkten.

Kritiker wiesen allerdings darauf hin, dass die Politik des billigen Geldes auf Dauer nicht gut sein könne und langfristig zu Inflation führe. Die meisten US-Experten halten einen baldigen Kurswechsel jedoch nun für unwahrscheinlich. Denn die Favoritin auf die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze der Fed, Janet Yellen, gilt ebenfalls als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik.

Übertragen von Quelle  :  http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fed-entscheidung102.html

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