Russlands Präsident wirft Obama „brachiale Gewalt“ vor – US-Regierung reagiert angewidert auf Putins Brief in der „New York Times“

13 Sep

Aktualisiert am Freitag, 13.09.2013, 07:22

Baschar al-Assad, Chemiewaffen, Giftgas, Militärschlag, New York Times, Barack Obama, Wladimir Putin, Russland, Syrien, USA

Die New York Times hat einen offenen Brief von Russlands Präsident Putin an die Amerikaner veröffentlicht. Der Inhalt: gewagt. Die Ausdrucksweise: explosiv. Hochrangige US-Politiker reagieren regelrecht angewidert. Obamas Sprecher setzt den Krieg der Worte fort.
Die USA haben nach der Kritik von Russlands Präsident Wladimir Putin an ihrem Verhalten im Syrien-Konflikt den Spieß umgedreht und Russland einen Mangel an Meinungsfreiheit vorgeworfen. „Im Gegensatz zu Russland stehen die USA für demokratische Werte und Menschenrechte im eigenen Land und rund um die Welt ein“, sagte US-Präsidialamtssprecher Jay Carney am Donnerstag (Ortszeit) in Reaktion auf eine aufsehenerregende Kolumne von Putin in der „New York Times“.Darin pries sich der Präsident für den russischen Vorschlag zur Kontrolle der syrischen Chemiewaffen durch internationale Beobachter und warf den USA eine Tendenz zur „brachialen Gewalt“ in globalen Konflikten vor. US-Präsident Barack Obama selbst hat sich zu dem Artikel nicht geäußert. Auch wenn Obama derzeit für eine diplomatische Lösung wirbt, hält er an der Möglichkeit eines Militärschlags zur Bestrafung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wegen des Einsatzes von Giftgas fest.

„Ich denke, man kann ruhig hervorheben, dass viel Ironie in der Platzierung eines Meinungsstückes wie diesem liegt, weil es die wahrlich einzigartige Tradition der Meinungsfreiheit in diesem Land widerspiegelt“, sagte Carney. Diese Tradition werde von Russland nicht geteilt. „Und es ist Fakt, dass die Meinungsfreiheit in den vergangenen Dutzend Jahren oder so in Russland begrenzt wurde.“

Mehrere amerikanische Politiker hatten davor mit extremer Ablehnung auf den Beitrag Putins reagiert. „Ich wollte mich fast übergeben“, sagte der demokratische Senator Robert Menendez dem Sender CNN. „Ich war sauer“, meinte der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner.

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, beschrieb Putins Text als „eine Beleidigung der Intelligenz eines jeden Amerikaners“. Sein Parteifreund, der Senator Jim Inhofe, sagte: „Es macht mich krank, dass wir dasitzen und dies lesen müssen.“
Putin warnt Amerikaner vor Überheblichkeit

Putin las in dem Artikel US-Präsident Obama regelrecht die Leviten. Seine Botschaft lautet: Wann endlich werden die USA aus ihren Fehlern in Afghanistan, Libyen und im Irak lernen und sich nicht mehr als Weltpolizei aufspielen?

Er habeObamas Syrien-Rede an die Nationbetrachtet, schreibt Putin etwa. Überheblich sei sie, weil die Amerikaner sich für etwas Besonderes hielten. „Es ist sehr gefährlich, Menschen zu ermutigen, sich für außergewöhnlich zu halten“, meint der Kremlchef. „Wir sind alle verschieden, aber wenn wir den Herrn um seinen Segen bitten, dürften wir nicht vergessen, dass Gott uns gleich geschaffen hat.“

Die Bigotterie des Wladimir P.

Die US-Amerikaner stört, dass Putin sich Putin damit zum Freiheitshelden aufschwingt, jener Putin, der als KGB-Offizier erst den Kommunismus verteidigte und später zeitweilig als Geheimdienstchef Russlands Interessen schützte. Und es ist der Putin, der es nach Meinung von Beobachtern in Agentenmanier immer meisterhaft verstanden hat, sich den Interessen seines Gegenübers anzupassen, um am Ende eigene Ziele noch effektiver durchzusetzen.

Putin schreibt weiter, es gehe ihm um das internationale Recht – und das verbiete ein militärisches Eingreifen in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates: hier Syrien. Was der Kremlchef nicht erwähnt, ist, dassRussland seinen umstrittenen Verbündeten Baschar al-Assad mit Waffen ausstattet, damit Milliarden einnimmt und den strategisch wichtigen russischen Marinestützpunkt im syrischen Tartus nicht verlieren will.Der russische Präsident warnt die internationale Gemeinschaft und allen voran die USA vor den katastrophalen Folgen eines möglichen US-Schlags gegen das Bürgerkriegsland. Militante Dschihadisten könnten den Terrorkrieg künftig noch in andere Länder tragen. „Das bedroht uns alle“, schreibt Putin. Das, was Syrien erlebe, sei kein „Kampf um Demokratie“. Es drohe eine Welle von Gewalt und Terrorismus weit über die Grenzen des arabischen Landes hinaus.

Das Weiße Haus reagiert pikiert

US-Präsident Barack Obama schweigt zu den Worten Putins. Sein Sprecher Jay Carney diktiert den Reporten in die Aufnahmegeräte: „Im Gegensatz zu Russland“ seien die Vereinigten Staaten ein Land, das sich für demokratische Werte einsetze. Allein dassPutin diesen Text in einer amerikanischen Tageszeitung veröffentlichenkonnte, zeige, wie wichtig die Meinungsfreiheit in den USA sei. In Russland verliere sie hingegen immer weiter an Bedeutung.

Moskau stehe „isoliert und allein“ da mit der Behauptung, die syrischen Rebellen seien für den Giftgasangriff bei Damaskus am 21. August verantwortlich, sagte Carney weiter. „Russland riskiert sein Ansehen und seine Glaubwürdigkeit“ in den laufenden Verhandlungen über eine Beseitigung syrischer Chemiewaffen.

Derzeit beraten US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow in Genf über einen konkreten Plan, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen und zu vernichten. Mit seinem Rundumschlag dürfte Putin dafür schon einmal den Ton vorgegeben haben.

Worte allein reichen einfach nicht aus“, sagte Kerry auf einer Pressekonferenz in Genf, deswegen würden die Streitkräfte „den Druck aufrechterhalten“. Jedwede Vereinbarung zur Kontrolle des syrischen Chemiewaffenarsenals müsse „glaubwürdig“ sein und „zeitnah“ erfolgen.Lawrow sagte, in Genf solle ein „Grundsatzabkommen“ erreicht werden, damit das syrische Chemiewaffenproblem „ein für alle Male gelöst wird“. Als Weg nannte er den von Damaskus beantragten Beitritt zur UN-Konvention, die die Zerstörung der Chemiewaffen verlangt. Eine Lösung des Chemiewaffenproblems mache einen Militärschlag gegen Syrien „unnötig“.

Eine Antwort to “Russlands Präsident wirft Obama „brachiale Gewalt“ vor – US-Regierung reagiert angewidert auf Putins Brief in der „New York Times“”

  1. neuesdeutschesreich 13. September 2013 um 14:50 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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