Rungholt – das deutsche Atlantis

13 Sep

Mittwoch, 15.08.2012, 18:16· von FOCUS-Online-Redakteurin

Archäologie, Marcellusflut, Mittelalter, Rungholt

In Nordfriesland ist jeder mit dem Rungholt-Mythos vertraut: dem sagenhaft reichen Ort, den schließlich das Meer verschlang, weil seine Bewohner maßlos wurden. Vieles davon ist erfunden, doch die Geschichten enthalten einen wahren Kern.
Am 15. Januar 1362, dem Tag des heiligen Marcellus – begann der Untergang. Eine verheerende Sturmflut überschwemmte die Nordseeküste, der Wind trieb immer mehr Wasser nach. Wo es Deiche gab, brachen sie reihenweise. Erst nach drei Tagen zog sich das Meer zurück. Schätzungen zufolge starben während der Katastrophe etwa 100 000 Menschen und 30 Ortschaften verschwanden unter Wasser. Die Sturmflut verschob die Küstenlinie landeinwärts. Zuvor besiedeltes Gebiet liegt seitdem unter Wasser, Schlick und Sand begraben.Zu den verschwundenen Gemeinden zählt auch das sagenumwobene Rungholt. Seine Geschichte verarbeitete Detlev von Liliencron, der auf der Nordseeinsel Pellworm lebte, zu einem Gedicht:

„Rungholt ist reich und wird immer reicher,
Kein Korn mehr fasst selbst der größte Speicher.
Wie zur Blütezeit im alten Rom,
staut hier täglich der Menschenstrom.
Die Sänften tragen Syrer und Mohren,
Mit Goldblech und Flitter in Nase und Ohren.“
Ob ihres Reichtums wurden die Bewohner der Sage zufolge immer übermütiger und schließlich gotteslästerlich. Einige Strophen weiter beschreibt Liliencron dann den Untergang:

„Ein einziger Schrei – die Stadt ist versunken.
Und Hunderttausende sind ertrunken.“

Liliencron verfasste das Gedicht 1882. Die Marcellusflut hatte sich das Land aber mehr als 500 Jahre früher geholt. Über die Jahrhunderte schmückten die Überlieferer das Drama um Rungholt aus. Dass all die Geschichten einen wahren Kern haben und es einen Ort dieses Namens wirklich gab, dessen sind sich Archäologen aufgrund alter Schriften sicher.Im 16. Jahrhundert setzte die Geschichtsschreibung ein. Ein Dokument von 1551 lokalisiert den Ort zwischen Pellworm und Illgroff, eine Schrift aus dem Jahr 1577 erwähnt den Ortsnamen. Außerdem, berichtet Ulf Ickerodt vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein, existieren historische Landkarten, auf denen der Ort verzeichnet ist. Allerdings haben diese Karten nicht den Anspruch auf kartografische Exaktheit. Sie bilden zeitlich versetzt eine historische Überlieferung ab.

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Die freigespülte mittelalterliche Siedlung
„Im 12. Jahrhundert war das Gebiet östlich von Pellworm besiedelt. In Zentrum der Siedlungen gab es um 1300 eine Kirche, sowie Kapellen im Umland“, berichtet Ickerodt. „Die Region scheint zu Reichtum gekommen zu sein. Basis war der Export landwirtschaftlicher Güter bis nach Flandern.“ Wissenschaftler gehen davon aus, dass Rungholt mit Umgebung maximal 500 Höfe umfasste. „Wenn man das als Grundlage nimmt“, erklärt der Archäologe, „könnten dort etwa 3000 Menschen gelebt haben.“ Allerdings existieren keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass der Ort so reich gewesen sein könnte, wie die Legende es will.
Archäologie, Marcellusflut, Mittelalter, Rungholt
Drei Pferdekutschen kehren von einer Wattfahrt zur Hallig Südfall vor der Halbinsel Nordstrand zurückRungholt hatte seine beste Zeit hinter sich, lange bevor die Marcellusflut kam. Die herrschaftlichen Verhältnisse änderten sich, der Handel nahm ab, die Pest wütete unter den Bewohnern und ließ wenig Arbeitskräfte zurück. Wenige Jahre später kam schließlich die Sturmflut, die alles mit sich riss.Bis heute ist es ein Rätsel, wo genau sich Rungholt befand. Zwar verzeichnen die historischen Landkarten den Ort – doch sie wurden erst nach der Marcellusflut gezeichnet, als Rungholt längst im Wasser verschwunden war.

Die Arbeit eines Besessenen

Eine Fundstelle wird für am wahrscheinlichsten gehalten: 1921 unternahm der Landwirt Andreas Busch am nordwestlichen Ufer der Hallig Nordstrand einen Ausflug ins Watt. Vor ihm ragten etwa 70 Zentimeter weit Pfähle einer Entwässerungsschleuse aus dem Watt. Er konnte auch ehemalige Ackerflächen erkennen. Die freigespülte mittelalterliche Siedlung musste Rungholt sein, war Busch fest überzeugt.

Das Erlebnis im Watt machte den Landwirt zum Besessenen. So oft wie möglich unternahm er Exkursionen dorthin und untersuchte die Umgebung. Forscher werden vermutlich nie beweisen können, dass Busch recht hatte – doch die Mehrzahl der Archäologen ist von seiner Arbeit überzeugt und hält den Punkt nordwestlich der Hallig Südfall für die Stelle, an der einst Rungholt stand.

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Mit diesem Beitrag beginne ich nun auch mit dem Themen verbotenen Archäologie,Mythen und Verborgenes .
In diesem Sinne ….

Eine Antwort to “Rungholt – das deutsche Atlantis”

  1. neuesdeutschesreich 13. September 2013 um 15:46 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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