Die „Verrückten und SPD-Hasser“ der Linkspartei

12 Sep

Bei Anne Will ging die Angst vor Rot-Rot-Grün um: SPD-Politiker Stegner schmetterte Gysis Avancen ab – der blaffte böse zurück. CDU-Mann Laschet nannte indes ein Bündnis mit der AfD „unvorstellbar“.

Von Alexander Jürgs

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Anne Will wollte von Ralf Stegner, Gregor Gysi und Jakob Augstein (v. l.) wissen: Was ist dran an rot-rot-grünen Gedankenspielen?

Es ist das wohl meistverbreitete Zitat der marxistischen Ideologie, niedergeschrieben zur Jahreswende von 1847 auf 1848 von Friedrich Engels und Karl Marx: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“

Einen nicht ganz so alten, aber auch nicht mehr besonders taufrischen Geist hat nun, wenige Tage vor der Bundestagswahl, Angela Merkel beschworen: die rot-rot-grüne Machtübernahme. Wenn der Wähler jetzt nicht aufpasst, dann drohe ein böses Erwachen.

Statt der sicher geglaubten Wiederkehr der Kanzlerin liegen die Geschicke des Landes plötzlich in der Hand einer Linkskoalition unter Beteiligung von Gysi, Wagenknecht und Kipping. Mit diesem Szenario versucht die CDU im Wahlkampfendspurt, ihre Wähler zu mobilisieren.

Was aber ist dran am angeblichen rot-rot-grünen Projekt? Das wollte Anne Will in ihrer Sendung herausfinden. Das Motto „Rot-rote Machtspiele – Schreckgespenst oder soziale Verheißung?“ hatte sie dabei ihrem Talk verpasst.

Das sagten die Gäste von Anne Will  :

* Gregor Gysi ( Linke ) Fraktionsvorsitzenden : “ Die SPD will nur einen Personalwechsel.Wir wollen einen Politikwechsel .“

* Ralf Stegner  (SPD) Landesvorsitzender Schleswig-Holstein :“ Das eigentliche Schreckgespenst ist doch ,dass Schwarz-Gelb die Wahl wieder gewinnt .“

* Jakob Augstein, Journalist und Verleger von „Der Freitag“ :“Es gibt eine linke Mehrheit in Deutschland.Die SPD müsste daraus jetzt etwas machen.“

* Armin Laschet (CDU) ,Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen: „Was wir in der Tat nicht erreicht haben, ist, die Chancen für einen sozialen Aufstieg zu erhöhen.Deutschland zum Aufsteigerland zu machen,wird darum unser Programm für die kommenden Jahre.“

*Gertrud Höhler,Publizistin:„In Deutschland wird heute Politik links von der Mitte gemacht,auch von Angela Merkel.“

Besteht die Linke aus zwei Parteien?

Wer mitbekommen hat, wie sich in Wills Sendung Linke-Fraktionschef Gregor Gysi und Ralf Stegner, Mitglied im SPD-Bundesvorstand, gegenseitig bekriegt und mit Vorwürfen überschüttet haben, dürfte sich nun ziemlich sicher sein: So schnell wird aus der Liaison zwischen Sozialdemokraten und (Post)-Kommunisten erstmal nichts.

Stegners Hauptvorwurf an Gysi lautete, dass die Linke im Grunde aus zwei Parteien bestehe: Im Osten machen linke Pragmatiker ordentliche Politik, im Westen dagegen halten „Verrückte, Sektierer und SPD-Hasser“ das Ruder in der Hand. Deswegen wiederholte Stegner auch noch einmal, was seine Parteigenossen in den vergangenen Monaten schon bei jeder Gelegenheit artig heruntergebetet haben: Vor 2017 wird es auf Bundesebene keine Koalition mit der Linken geben.

Gregor Gysi, der der Sozialdemokratie in den vergangenen Tagen ziemlich unverblümt Avancen gemacht hatte, reagierte mit der kalten Schulter auf Stegners Angriffe. „Ich biedere mich der SPD nicht an“, stellte er klar. Und er forderte Stegner zum Politikwechsel auf: „Sie müssen eine Gerechtigkeitspartei nicht nur darstellen, sondern auch wirklich werden. Die Agenda 2010 ist auf jeden Fall keine sozialdemokratische Politik.“

Als Ralf Stegner daraufhin auf krude Einzelpositionen von Linke-Abgeordneten (etwa zum Euro oder in der Israel-Politik) zu sprechen kam, blaffte ihn Gysi erbost an: „Wenn Sie sich jetzt über einzelne Mitglieder unserer Partei beklagen, dann sollten wir auch über Thilo Sarrazin sprechen.“

„CDU light hat der SPD nicht gutgetan“

Dem Stereotyp, dass sich Linke am allerliebsten gegenseitig bekämpfen, machten Stegner und Gysi an diesem Abend auf jeden Fall alle Ehre. Armin Laschet, stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender aus Nordrhein-Westfalen, fiel es im Laufe des Talks darum auch immer schwerer, das Bedrohungsszenario der rot-rot-grünen Koalition aufrechtzuhalten. Er stritt deshalb bald umso vehementer mit Stegner und Gysi um Betreuungsgeld, steuerliche Gleichstellung von Homosexuellen oder Erfolge in der Kinderbetreuung.

Der einzige, der wirklich von Rot-Rot-Grün träumte, war Jakob Augstein, Autor und Verleger der linksliberalen Wochenzeitung „Der Freitag“. Nicht umsonst heißt sein Blog bei „Spiegel online“ „Im Zweifel links“. „Kein normaler Mensch glaubt daran, dass es für Rot-Grün reichen könnte“, stellte er fest.

An eine linke Mehrheit nach der Bundestagswahl aber glaubt Augstein. Und deshalb fordert er die SPD seit einiger Zeit dazu auf, sich auf ein rot-rot-grünes Wagnis einzulassen. Sein Resümee der vergangenen Jahre: „CDU light hat der SPD nicht gutgetan.“

Der Abend hat Augstein wohl nachhaltig desillusioniert; im Laufe der Diskussion wurde er dann immer leiser. „Wenn ich mitbekomme, wie die beiden hier miteinander reden, dann will ich bei Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Linken lieber nicht dabei sein“, gestand er schließlich ein.

Merkel und die Entdämonisierung der Linken

Ein ganz anderes Szenario brachte die konservative Publizistin Gertrud Höhler ins Spiel. Sie sprach von einem ganz grundsätzlichen Linksrutsch, der das Land beherrsche: „Angela Merkel hat die Mitte nach links verschoben, damit entdämonisiert sie auch die Partei der Linken.“

Für Höhler scheint es deshalb gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Euro-Kritiker von der Alternative für Deutschland doch noch in den Bundestag einziehen (in den meisten Umfragen liegt die AfD aktuell bei drei Prozent). „Ein Drittel der Nichtwähler sind Euro-kritisch eingestellt. Ich halte es für möglich, dass am Ende etwas ganz anderes herauskommt, als wir jetzt vermuten. Und dann stellt sich die Frage neu: Wer wird wo mitspielen?“

Ist also am Ende eine Koalition aus AfD und CDU das neue Gespenst, über das es sich zu streiten lohnt? Armin Laschet verneinte das entschieden. „Das ist unvorstellbar. Für Deutschland wäre es eine Katastrophe, von so einer Partei abhängig zu sein“, stellte der CDU-Politiker klar. Ausschließeritis können eben nicht nur Linke.

Übertragen von Quelle : http://www.welt.de/vermischtes/article119936038/Die-Verrueckten-und-SPD-Hasser-der-Linkspartei.html

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Liebe Leute ,ich selber habe mir gestern das Spektakel bei „Anne Will“ angesehen .Trotz der ganzen Aktion trage leider auch die Befürchtung ,das Frau Merkel wieder an die Macht kommt.Da wir in Deutschland so viele Gewohnheitswähler haben,die ohne auch nur einmal über die Konsequenzen nachzudenken,ihre Stimme der „Königin von Deutschland “ geben. Schade , denn das wird zu einem hohen Risiko für alle,die sagen wir gehen nicht wählen und auch für die, die ihre Stimmzettel ungültig machen.Denn leider senkt es das Risiko einer Wiederwahl Merkels nicht.

In diesem Sinne ….

Eine Antwort to “Die „Verrückten und SPD-Hasser“ der Linkspartei”

  1. neuesdeutschesreich 12. September 2013 um 15:03 #

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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